Design Thinking Part 1 – Wir brauchen schnellere Pferde

Wir brauchen schnellere Pferde – Design Thinking Part 1

Was wäre wenn… Carl Benz auf die Wünsche der Menschen gehört hätte und einfach schnellere Pferde entwickelte? In der BWL wird das Modell des „Bedürfnisse entstehen aus dem Gefühl eines Mangels, sowie dem gleichzeitigen Wunsch auf Beseitigung“ gelebt. Aber wie entsteht aus einer Innovation ein Bedarf – also ein mit Kaufkraft ausgestattetes Bedürfnis?

  1. Verstehen
  2. Beobachten
  3. Point-of-View
  4. Ideenfindung
  5. Prototyping
  6. Verfeinern & Testen
  7. Die Design Thinking Regeln
  8. Fazit

Der Motorwagen von Carl Benz hatte drei Räder und fuhr 16 km/h schnell.
Zunächst gab es große Skepsis gegenüber dem Motorwagen – zurecht – denn ein Pferd war immer noch schneller und es gab keine Verkehrsregeln, sodass es vermehrt Unfälle gab. Doch das Automobil wurde stetig verbessert und es kam zu den ersten Verkehrsregeln. Und wie ist der Stand jetzt? Statistisch gesehen nennt jeder 2. Einwohner in Deutschland ein Auto sein eigen. Aus der Perspektive gesehen, kann man bei dieser Innovation von einem vollen Erfolg sprechen!

Doch Innovationen sind nicht immer von Erfolg gesegnet. Ein Grund hierfür können z. B. der Zeitpunkt bzw. Synergieeffekte sein. 1970 hat der Telekommunikationsriese AT & T versucht, die Bildtelefonie zu etablieren, was allerdings scheiterte. Und der aktuelle Stand jetzt? Skype hat im Jahr rund 860 Millionen Dollar Umsatz gemacht, also objektiv gesehen, ein Erfolg. Ein möglicher Grund, warum Skype so gut ankommt, ist, dass mittlerweile jeder Laptop mit einer Kamera ausgestattet ist und es fast an jedem Punkt der Erde Internet gibt.

Ein Ansatz, um innovative Produkte zu erschaffen, ist das ‚Design Thinking‘. Dieser Ansatz ist kein Allheilmittel, das sofort zum Erfolg führt – das Scheitern gehört zum Prozess.

Je mehr ich scheitere, desto erfolgreicher bin ich. – Alberto Giacometti

Die Methode des Design Thinkings ist klar strukturiert. Sie beruht auf der Annahme, dass Probleme besser dadurch gelöst werden können, wenn multidisziplinäre Teams zusammen arbeiten. Diese heterogenen Gruppen können mehr erreichen als homogene. Sie haben zwar Anfangsschwierigkeiten, doch die Vorteile – das vielseitige Denken und Erarbeiten kreativer Lösungen – überwiegen.
Diese Teams sollen in dem Innovations-Prozess eine gemeinsame Fragestellung entwickeln (‚Wie können wir die Kutsche verbessern?‘), die die Bedürfnisse und die Motivation der Menschen berücksichtigt und daraus Konzepte entwickeln, die getestet werden. Daraus entstehen entweder neue Produkte oder der Prozess fängt mit neuen Erkenntnissen wieder an.
Design Thinking strukturiert sich in verschiedene Timeboxen, die in Schleifen vollzogen werden.
Es gibt viele Arten und Interpretationen, wie genau und in welchen Schritten der Prozess vollzogen werden kann. Eine der bekanntesten Vorgehensweisen ist die der d.school (HPI):

designthinking

Quelle: http://ohh-suess.com/wordpress/wp-content/uploads/Design-Thinking-Ablauf.png

Verstehen

Der erste Schritt befasst sich mit dem Verständnis von Problemen, wodurch eine Fragestellung entstehen soll, die die Rahmenbedingungen (aus Bedürfnissen und Herausforderungen) definiert.

Beobachten

Wie ist der aktuelle Stand? Dieser soll aus einer Reihe von Beobachtungen (im realen Umfeld) und verschiedenen Recherchen festgestellt werden. Die hieraus resultierenden Einsichten und Erkenntnisse stellen den aktuellen Stand dar.

Point-of-View

Die entstandenen Erkenntnisse aus den Beobachtungen werden in diesem Schritt auf einen prototypischen Nutzer bezogen. Anhand des Nutzers können die Probleme ‚durchgespielt‘ werden, die die Bedürfnisse zu einer klar definierten Brainstorming-Frage zusammenfassen.

Ideenfindung

In diesem Schritt werden die verschiedenen Ideen und Lösungen mittels Brainstorming zusammengetragen. Das dient vor allem dazu, die unterschiedlichen Konzepte zu visualisieren.

Prototyping

Damit die entstandenen Ideen und Konzepte auf ihre Tauglichkeit geprüft werden können, werden Prototypen entwickelt und diese z. B. an der Zielgruppe getestet.

Verfeinern & Testen

Hier geht es darum, die aus dem Prototyping gewonnen Ergebnisse hinzuzuziehen, um das Konzept so lange zu verbessern, bis ein optimales, nutzerorientiertes Produkt geschaffen wurde. Testen ermöglicht es, die Ideen zu verfeinern und zu verbessern.

Die Design Thinking Regeln

  1. Denke nutzerzentriert (think user centric)
  2. Scheitere früh und häufig (fail early and often)
  3. Arbeite visuell (be visual)
  4. Nur einer spricht (one conserversation at a time)
  5. Fördere verrückte Ideen (encourage wild ideas)
  6. Stelle Kritik zurück (defer judgement)
  7. Quantität ist wichtig (go for quantity)
  8. Bleib beim Thema (stay on topic)
  9. Baue auf den Ideen anderer auf (build on the ideas of others)
  10. Nicht reden, sondern machen! (don’t talk, do!)
  11. Nicht vergessen, Spaß haben! (have fun)

Fazit

„Design Thinking ist ein multidisziplinärer Ansatz, mit dem Produkte, Dienstleistungen und Konzepte entwickelt werden. Es verbindet Denkprozesse und Arbeitsabläufe aus dem Design mit Methoden aus Technologie und Wirtschaft und stellt dabei die Bedürfnisse der Nutzer in den Mittelpunkt.“
Doch dieser Prozess benötigt gewisse Rahmenbedingungen und Methoden, die individuell angepasst sowie evaluiert werden müssen.

Im 2. Teil der Reihe werden verschiedene Methoden vorgestellt, die die Probleme und Bedürfnisse der Nutzer aufzeigen (u. a. Personas).

Kommentare

  1. Urs Meier am

    Ford oder Benz, wer hatte es mit den Pferden…? :-)

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