Inspiration zum Mitnehmen: Ein etwas anderes T3CON Recap

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Eigentlich sollte das hier mal ein Rückblick zur T3CON 2023 in Düsseldorf werden. Doch während ich die vielen tollen Gedanken sortierte, die ich von dem Event mit nach Hause gebracht hatte, wurde überraschenderweise ein recht philosophischer Artikel zu Open Source und ihren Contributern daraus. Den Satz „Inspiring people to share” habe ich noch nie so stark gefühlt, wie auf der diesjährigen Konferenz. Warum? Dazu muss ich etwas ausholen. 

Warum gehe ich auf Konferenzen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum ich auf Konferenzen und Barcamps fahre. Da ist als allererstes der Austausch mit anderen Menschen aus der Branche zu nennen. Damit zusammenhängend geht es natürlich auch um die inhaltlichen Themen: Was bewegt die Branche gerade? Wo geht die Reise in den nächsten Jahren hin? Was bedeutet das für mich und meine Arbeit?

Anders als bei einem Barcamp standen Speaker und Themen bei der T3CON schon vorher fest. Mein erster Eindruck des Sessionplans war: Keine Überraschungen – was ich als durchaus positiv bewertet habe, weil es mir gezeigt hat, dass die Themen, die mich aktuell beschäftigen, auch andere beschäftigen. Ich freute mich also auf zwei Tage voller Input, interessanter Gespräche und natürlich die Award-Verleihung. :-)

Ein Wechselspiel: Inspiration und Energien

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die mit Herzblut über ein Thema berichten, die Chance haben, andere zu begeistern und mitzureißen – zu inspirieren. Dabei werden Energien freigesetzt, die man direkt nutzen kann – und zwar ab der ersten Minute. Meistens hängt das damit zusammen, dass schon eine Vision transportiert wird.

Der Gegenentwurf dazu ist für mich ein Vortrag, der mir klarmacht,  dass ich mich um ein (neues) Thema kümmern sollte. Der Prozess beginnt daher mit dem Blick auf die Herausforderungen und nicht auf die Chancen. Man braucht ein wenig Zeit, um die (positiven) Potenziale zu erkennen, die sich daraus ergeben – und sie dann auch zu nutzen. Es wird insgesamt weniger Energie freigesetzt.

T3CON 2023: Inspirierender Auftakt zur Achtsamkeit

Der große Inspirations-Vorschlaghammer traf mich direkt am ersten Tag bei der Keynote „Leader as Healer“.  Auf den ersten Blick wirken 1,5 Stunden recht lang für eine Keynote, aber die Zeit verging wie im Flug!

Ich hätte Nicholas Janni tatsächlich noch viel länger über die heutige Arbeitswelt reden hören können. Von dem Aufruf, neben dem rationalen Denken auch die emotionale Seite eines jeden mehr Beachtung zu schenken, über die kulturellen Auswirkungen vermeintlicher Spielregeln in Organisationen, bis hin zur Achtsamkeit als Ganzes. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei der Satz „There are NO negative emotions“. Kaum hatte er das gesagt, habe ich mich an Situationen erinnert, die in mir ein unbeschreibbares Störgefühl verursacht haben – und rückblickend mit diesem Satz einfach hätten aufgelöst werden können. Doch genau die inspirierenden Worte, die Nicholas gefunden hat, werden mich in Zukunft dazu bringen, mit solchen Situationen anders umzugehen. Ich kann die in seinem Vortrag gewonnen Inspiration direkt in Taten (Energie) umsetzen. Ein Riesengewinn für meinen Arbeitsalltag.

TYPO3 Awards oder die Erkenntnis das Open Source die Welt besser macht

Dass auch die Verleihung der TYPO3 Awards in mir so viel bewegen würde, hätte ich im Vorfeld nicht gedacht. Im Fokus standen für mich dabei vor allem zwei Awards. Als erstes: der „Personality of the Year“-Award, welcher an Abdulhamid Kwieder ging, der den TYPO3 Core über 3 Jahre hinweg ins Arabische übersetzt hat. Wie mir später klar werden sollte, ist das ein Ergebnis, das nicht nur dazu führt, dass TYPO3 für viele Menschen aus dem arabischen Raum zugänglicher wird. Seine Arbeit ist ein greifbares Zeichen dafür, was uns als Community ausmacht:  

Bei Open Source gibt es kein „wir“ oder „ihr“, kein „ich“ und „die da“. Open Source ist in seinem Kern inklusiv, weltoffen und frei von Vorurteilen. Damit stemmen wir uns – ob bewusst oder unbewusst – auch immer wieder gegen (welt)politische Strömungen, die darauf abzielen, Menschen voneinander zu trennen. Aus diesem Grund kann ich nur unterstreichen, dass Abdulhamid mit all seiner Arbeit viel mehr geschafft hat, als „nur“ 70.000 Wörter zu übersetzen. Vielen Dank dafür!

Der zweite Award, den ich aufgreifen möchte, ist der „Website of the Year“-Award, welcher an Talan Solutions für die Webseite womenforwomenfrance.org ging – ein Hilfeportal, dass sich vor allem an Frauen richtet, die unter häuslicher Gewalt leiden.

Mir ist noch einmal klar geworden, dass wir in unserer Branche und im Open Source Bereich im Speziellen manchmal vergessen, wie viel wir eigentlich dafür tun, die Welt ein Stück weit besser zu machen. Jede Zeile Code, jede Session auf einem Camp, jede beantwortete Frage in Slack oder auf Stackoverflow (oder wie auch immer man etwas zur Community beiträgt) sorgt auch dafür, dass genau solche Projekte umgesetzt werden können – Projekte, die für das Leben vieler Menschen einen Unterschied machen.

Die Essenz der Konferenz

Die Keynote und die Awards waren für mich eine unglaubliche Inspirationsquelle, doch natürlich lebt eine Konferenz durch die Vielfalt aller ihrer Inhalte – genau wie das Ökosystem Open Source. Wir können uns nur als Ganzes fortbewegen: egal, ob es um Datensouveränität, Infrastruktur, KI, Zusammenarbeit oder Kommunikation geht.

Wie schaffe ich es jetzt, all meine Ausführungen auf den Punkt zu bringen? Ein tl;dr ist schließlich lange überfällig. Ein Satz ist auf dem Event gefallen, der die Essenz der Konferenz für mich perfekt zusammenfasst:

„The values of Open Source are the values of a healthy society“

Genau das hat die Konferenz mir klar gemacht. Ich möchte mich bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben. Bis zum nächsten Mal!

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