Hercules rules - Perfektionismus ist beim Bloggen hinderlich

Hercules rules! Oder: Warum Perfektionismus beim Bloggen hinderlich ist

Ich werde mich an dieser Stelle jetzt mal outen: Letztens habe ich mir die erste Staffel der Hercules-Serie mit Kevin Sorbo gekauft. Mir als Film-Liebhaber mit medienwissenschaftlichem Studium ist natürlich klar, dass in dieser Serie bei weitem nicht alles perfekt ist – aber hat es damals nicht einfach einen Riesenspaß gemacht, Hercules bei seinen Abenteuern zuzusehen? Ja, und ich verrate euch: Ich finde es auch heute noch spaßig! :) Perfektionismus ist nämlich manchmal auch einfach nur hinderlich – das gilt auch fürs Bloggen.

Warum kann’s nicht perfekt sein?

Als Kreativer völlig perfekt zu sein, ist meiner Meinung nach überhaupt nicht möglich, denn sehr schnell wird das auch mit Langeweile gleichgesetzt. Möchtet ihr eure Leser langweilen? Besonders wichtig ist ja die Identifikation der Zielgruppe mit euren Texten. Die wenigsten werden sich selbst als perfekte Wesen sehen und sich somit auch nicht mit solchen identifizieren. Natürlichkeit oder, um mal ein Fremdwort zu benutzen, Authentizität ist auch beim Schreiben ein wichtiges Erfolgskriterium.

Auch das hat sicherlich zum Erfolg der Hercules-Serie geführt, die in insgesamt 44 (!) Ländern ausgestrahlt wurde (Wikipedia, Hercules: The Legendary Journeys). Gerade die unperfekte Frisur, der Ausschnitt bis zum Bauchnabel und das ewig gleiche Outfit haben bei Kevin Sorbo zum Kultstatus geführt. Ganz zu schweigen von den durchchoreografierten Schaukämpfen, die eigentlich niemandem weh taten. ;-)

Herkules rules

Mit der Zeit wachsen

Was viele vergessen oder vielleicht auch gar nicht wissen, ist, dass z. B. die Firma WETA Workshop (Spezialeffekte wie Make-Up, Kostüme, Requisite) an den Serien Hercules und auch Xena mitgewirkt hat. Die gleiche Firma hat später maßgeblich an der „Herr der Ringe“-Trilogie mitgewirkt und dafür sogar mehrere Oscars erhalten. Auch Peter Jackson (Regisseur der Filme) hat übrigens im Splatter-Bereich angefangen und dabei vieles fabriziert, was sich selbst nicht besonders ernst nimmt. ;-)

Und um mal kurz das Universum der Filmbranche zu verlassen: Sogar Einstein sagte einst: „Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht.“ Eine Liste seiner Irrtümer findet ihr in diesem interessanten Artikel auf karrierebibel.de: Perfektionismus: So befreien Sie sich von dem Zwang

Herkules Hades

Was ich damit sagen will, ist relativ einfach: Manchmal muss der Kreative erst mal machen! Es kommt auf den Spaß an der Sache an und natürlich wird man mit der Zeit immer routinierter und geübter und damit auch besser. Wenn aber schon zu Beginn der Blog-Karriere schon alles 100-prozentig perfekt sein soll, steht ihr euch selber im Weg.

Ihr müsst das Rad nicht neu erfinden

Bei Hercules lief vieles nach Schema F: Am Anfang einer Folge gingen die beiden Freunde Hercules und Iolaus (in der griechischen Mythologie war dieser übrigens Hercules Neffe) oft irgendwo (im Wald, auf einer Wiese oder was der Drehort Neuseeland sonst noch hergab) spazieren. Dann tauchte meistens a) eine Person auf, die dringend Hilfe brauchte, b) ein Monster/Feinde, die direkt zu bekämpfen waren. Aber trotzdem hat die Serie mich nicht gelangweilt. Der oft ähnliche Rahmen schaffte allerdings etwas Vertrautes, Heimeliges – der Zuschauer fühlte sich einfach wohl. Wenn am Ende das Problem gelöst war und die beiden Freunde sich auf den Heimweg machten, war der Zuschauer zufrieden.

Für euer Blog-Projekt bedeutet das: Versucht nicht hektisch einen innovativen Beitrag nach dem nächsten zu schreiben. Lasst eure Leser auch mal bei euch ankommen und schafft euch einen stilistischen Wiedererkennungswert.

Hercules und Iolaus

Nehmt euch nicht zu ernst, habt Spaß!

Was die Hercules-Serie meiner Meinung nach besonders sympathisch gemacht hat, war, dass sie sich nie wirklich ernst genommen hat. Der Spaß stand im Vordergrund (das sieht der Zuschauer übrigens auch an den witzigen Outtakes, die ich mir natürlich alle auf der DVD angeschaut habe).

Und das ist auch z. B. laut Peer Wandiger (selbstaendig-im-netz.de) der wichtigste Schlüssel zum Erfolg beim Bloggen (siehe Interview bei lecturio.de). Wenn ihr eure Leser mit eurem Spaß an der Sache anstecken könnt, habt ihr viel gewonnen.

Kommentare

  1. Gravatar
    Alexander Liebrecht am

    Hallo Kristina,
    das sehe ich auch so und ich will nicht perfekt sein. Da ist unnötiger Druck dahinter, alles perfekt machen zu wollen. Fehler sind erforderlich, um weiter zu kommen. Jeder Blogger fängt auch anders an und macht eine eigene Karriere im heutigen Blog-Business.

    Damals auf Blogspot, als ich 2006/07 mit dem Blogging begann, nutzte ich keinerlei H2-Überschriften und diese Posts aus dem Zeitraum eines ganzen Blogspot-Jahres importierte ich sogar nach Internetblogger.de. Das war mir egal und Spass stand immer im Vordergrund meiner Projekte.

    Heutzutage muss schon etliches korrekt sein, wenn du erfolgreich sein willst. Aber eines muss immer stimmen, nämlich die Freude am Bereitstellen sachlicher Inhalte und dem Drumherum, was alles hinter dem eigenen Blog steckt. Ich hoffe doch, dass ich nicht zu künstlich auf Internetblogger.de auftrete, denn mich verstellen muss ich nicht.

    Offline mag es gelten, dass ich anders auftrete, aber eben der jeweiligen Situation entsprechend. Es wird offline auch etwas anders kommuniziert, wenn du mal wo bist. Online entwickelst du deinen eigenen Schreibstil, dem du treu bleibst. Das ist dann etwas vom Wiedererkennungswert. Und Fehler schleichen auch gerne mal ein. Das kann man schlecht vermeiden.

    Ich sage immer, dass das Bloggen genug Zeit braucht und schnell schnell mal nach der Arbeit bloggen, wird einem nicht gelingen. Wenn einem gänzlich die Zeit für das eigenen Blog fehlt, sollte man damit nicht beginnen.

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    1. Kristina Dahl am

      Hallo Alexander!

      Vielen Dank für deinen Kommentar! :) Dass man zum Bloggen viel Zeit braucht, kann ich auf jeden Fall bestätigen. Aber man kann mit einem Beitrag natürlich auch Wochen verbringen, weil es ja theoretisch immer etwas zu verbessern oder zu ergänzen gibt und dann kommt man auch nicht voran … Da muss man dann wieder den goldenen Mittelweg finden. :)

      Viele Grüße

      Kristina

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  2. Gravatar
    Sven am

    Ja, leider sehen das viele andere aber nicht so.

    Leider werden meine Blogartikel immer sehr kritisch beäugt, vor allem Firmenchef’s und oder Personalchef’s sehen in meinen Artikel eine große Gefahr. Oder man hat mich auch im Kopf für krank erklärt, in einer Firma, weil ich mich manchmal über die allgemeinen Lebensumstände äußere (außerhalb der Firma) oder einfach nur Unverständnis, dass man ein Blog führt.

    In Deutschland ist das ein sehr heikles Thema, einen eigenen Blog zu führen, das sich nicht nur auf ein bestimmtes Themengebiet spezialisiert hat.

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