Lernmethoden 1: Luftschlösser bauen per Loci-Methode

Lernmethoden 1: Luftschlösser bauen per Loci-Methode

Griechenland, 500 v. Chr.: Der Dichter Simonides von Keos verlässt kurz eine Party, nur um knapp dem Tod zu entgehen. Was wie der Anfang eines Krimis klingt, ist tatsächlich der Anfang einer sehr erfolgreichen Lernmethode. Mit dieser ist es nicht nur möglich Wissen abzurufen, sondern auch seine Fantasie zu schulen.

Entwicklung

Simonides ist der einzige Überlebende der Party und somit auch als einziger in der Lage die unkenntlichen Leichen zu identifizieren. Dabei stellt er fest, dass er, indem er sich die Szene vor Verlassen des Hauses noch einmal vorstellt, alle Personen leicht zuordnen kann. Daraus schließt er, dass eine räumliche Verknüpfung dazu beiträgt, Informationen geordnet wiederzugeben.

Aufbau

Loci, von locus (lateinisch für Platz), bedeutet, dass Lernstoff mit Orten verknüpft wird, die man im Kopf abschreitet. Die Methode wird beispielsweise genutzt, um umfangreiche Texte auswendig zu lernen. Papier und Bücher waren lange Zeit kostbar und teuer, so schritt Cicero für seine Reden gedanklich das Forum Romanum ab. Bei Mönchen waren im Mittelalter Kathedralen und Kirchen beliebt. Die Methode braucht kein Material und nur wenig Aufwand.

Im Geiste geben wir uns eine Route vor, die wir entlang gehen. Das kann der morgendliche Gang vom Bett, ins Bad, zum Frühstückstisch sein, oder der „Gang“ von links nach rechts über den Schreibtisch. Es muss sich hierbei nicht einmal um existierende Orte handeln. Wer es schafft, kann ganze Gedankenkonstrukte erschaffen, einen Gedächtnispalast, und so ganz individuell seinen Bedürfnissen anpassen. Diese Form der Loci-Methode basiert vor allem auf dem Storytelling, da wir uns eigene Geschichten schaffen, die wir uns gut merken können.

Beispiel

Viele Gedächtnissportler nutzen für wenige Dinge, die sie sich merken müssen, auch den Körperweg. Angefangen vom Kopf, Gesicht, Schultern bis hin zu den Füßen. Mein Einkaufszettel besteht aus Äpfeln, Brot, Marmelade und Wasser. Also fange ich am Kopf an, auf dem ich einen Apfel trage, Marmelade trage ich dann als Maske im Gesicht. Meine Schulterpolster sind aus Brot, das Wasser dient mir als Hanteln. Dieses komische Bild ist doch recht einprägsam, und so vergesse ich es nicht, im Gegensatz zum Einkaufszettel ohne Assoziationen.

Loci-Methode

Fazit

Meinen Lernstoff für die Berufsschule visuell im Raum zu verteilen wird sicher eine Herausforderung, direkt komplexe Dinge mit der Loci-Methode zu lernen fällt mir sicher schwer. Aber ich werde es ausprobieren und mit dem leichten Einkaufszettel beginnen. Auch wenn die Loci-Methode nicht gleich funktioniert, so bleibt allein durch die intensive Beschäftigung und das kreative Umdenken des Stoffes sicher schon einiges hängen. Und bei regelmäßigem Training schult man außerdem seine Fantasie und kann sich selbst mit einem Palast belohnen. :)

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