Effizientes Rechenzentrum: mittwald erhält SDEA Label als erstes deutsches Unternehmen

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mittwald hat als erstes Unternehmen in Deutschland das SDEA Label erhalten. Nachhaltigkeit wird in der Rechenzentrumsbranche oft behauptet, selten belegt – die Swiss Datacenter Efficiency Association (SDEA) zertifiziert nur, was sich über zwölf Monate real messen lässt. Im Interview erklärt Matthias Haymoz, Executive Director der SDEA, was ein Label auf Basis realer Betriebsdaten von klassischen Zertifizierungen unterscheidet – und warum mittwald für die SDEA ein Vorreiter ist.

Matthias, was genau ist die SDEA, und was war die Motivation, das Label zu entwickeln? 

SDEA ist ein in der Schweiz gegründetes und international aktives Non-Profit. Wir machen die Nachhaltigkeit von Rechenzentren messbar und unabhängig überprüfbar. 

Die Motivation war simpel: Die Branche redet viel über Nachhaltigkeit, aber die meisten Aussagen beruhen auf Selbstauskunft oder auf Planungswerten. Ein Rechenzentrum kann auf dem Papier hervorragend dastehen und im Betrieb ganz anders laufen. Wer prüft das? Uns ging es darum, diese Lücke zu schließen – mit gemessenen Betriebsdaten statt mit Absichtserklärungen.

Was unterscheidet das SDEA-Label von anderen Nachhaltigkeitszertifizierungen im Rechenzentrumsbereich?

Erstens: Wir zertifizieren den realen Betrieb. Grundlage sind zwölf Monate Betriebsdaten, geprüft von einem unabhängigen Auditor. Keine Planungswerte, keine Net-Zero-Ziele, keine Design-Effizienz, sondern nur, was tatsächlich gemessen wird. 

Zweitens: Wir bieten als weltweit einzige Organisation an, auch die gemessene IT-Effizienz zu zertifizieren – also nicht nur die Gebäudetechnik, sondern die Auslastung von Servern, Storage und Netzwerk. Das schließt eine wichtige Lücke: Eine effiziente Infrastruktur sorgt dafür, dass Energie mit wenig Verlust zur IT gelangt. Ob die IT sie danach sinnvoll nutzt, ist eine ganz andere Frage. 

Drittens: Wir betrachten vier Dimensionen zusammen – Energieeffizienz, IT-Effizienz, CO₂-Fußabdruck und Wassernutzung. Denn nur so lässt sich beurteilen, wie nachhaltig ein Rechenzentrum tatsächlich arbeitet. 

Wie läuft eine Zertifizierung konkret ab – von der ersten Messung bis zum fertigen Siegel?  

Zuerst gibt es die Selbstbewertung im SDEA Navigator, unserer Online-Plattform. Dort werden je nach Betrieb Energieflüsse, IT-Infrastruktur, Stromquellen und Wasserdaten erfasst – auf Basis von zwölf Monaten realem Betrieb. Das gibt schon vor jeder Zertifizierung ein klares Bild davon, wo man steht. 

Dann das externe Audit. Ein unabhängiger Auditor prüft die Daten und die Berechnungen. Wir selbst beurteilen die Zahlen bewusst nicht – diese Trennung ist der Kern unserer Glaubwürdigkeit. 

Und schließlich das Label. Der SDEA-Vorstand beurteilt den Auditbericht und vergibt die Auszeichnung. Zu jedem Label gehört ein QR-Code, über den die geprüften Kennzahlen öffentlich einsehbar sind. 

Wie unterscheiden sich Rechenzentren in Deutschland/der DACH-Region aktuell in Sachen Effizienz – gibt es typische Schwachstellen?

Elf unserer Zertifizierungen liegen in der DACH-Region, wir sehen also durchaus ein Muster – wenn auch bei einer noch überschaubaren Zahl von Anlagen. 

Was auffällt: Die Gebäudetechnik bekommt fast die gesamte Aufmerksamkeit, die IT-Effizienz kaum eine. Dabei liegt dort in der Regel das größere Potenzial. Viele Betreiber – oder ihre IT-Kunden – kennen ihre tatsächliche Server-, Storage- und Netzwerkauslastung schlicht nicht, weil sie nie systematisch gemessen wurde. 

Auf der Infrastrukturseite hingegen ist der DACH-Raum im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Unsere zertifizierten Rechenzentren – mittwald inklusive – sind im Schnitt deutlich effizienter und nachhaltiger als der weltweite Durchschnitt.

Was hat an mittwalds Rechenzentrum in Espelkamp besonders überzeugt?

Das Zusammenspiel aus einer hohen Effizienz der Infrastruktur, der Abwärme, die in die eigenen Büroflächen fließt, und dem Einkauf von 100 Prozent grünem Strom. Schon einzeln betrachtet sind das alles “Best Practices” – und zusammen ergibt es das Bild eines Vorzeige-Rechenzentrums in Sachen Effizienz und Nachhaltigkeit. 

Und dann etwas, das in keiner Kennzahl auftaucht: mittwald ist als erstes Unternehmen in Deutschland durch diesen Prozess gegangen, ohne zu wissen, was am Ende dabei herauskommt. Bei einem messbasierten Verfahren kann man sich das Ergebnis nicht zurechtlegen. Diese Bereitschaft, sich prüfen zu lassen und mit dem Resultat öffentlich hinzustehen, unterscheidet Vorreiter von Nachahmern. Für den deutschen Markt ist das ein Signal. 

Wie entwickelt sich das Label weiter – kommen neue Kriterien oder Stufen dazu? 

Ja, laufend. Wasser ist erst kürzlich als vierte Dimension dazugekommen, mit einer erweiterten Kennzahl, die neben dem Verbrauch auch Wasserrückgewinnung und den regionalen Wasserstress berücksichtigt. Ein Liter in einer trockenen Region ist nicht dasselbe wie ein Liter in einer wasserreichen Gegend. 

Der größere nächste Schritt ist KI. Wir leiten im Rahmen des Schweizer AI Action Plan die Maßnahme zur Energieeffizienz und Transparenz von KI, mit einem Meilenstein zum Global AI Summit in Genf im Juni 2027. Ziel ist, unser Framework auf die KI-Workload-Ebene auszuweiten. Das ist bewusst explorativ: Wir gehen so weit, wie die Daten es hergeben – und sagen es, wenn etwas nicht messbar ist.

Was würdest du Unternehmen raten, die überlegen, sich zertifizieren zu lassen, aber noch zögern? 

Fangt mit dem Messen an, unabhängig davon, ob ihr euch am Ende zertifizieren lasst. 

Der Grund ist praktisch: Eine Zertifizierung braucht zwölf Monate Betriebsdaten. Wer heute anfängt zu messen, hat in einem Jahr die Wahl. Wer wartet, verliert dieses Jahr. 

Und Messen zahlt sich ohnehin aus, ganz ohne Label. Jede ineffiziente Anlage, jeder Server, der bei minimaler Auslastung durchläuft, kostet jeden Monat Geld. Die meisten Betreiber unterschätzen ihre Schwachstellen und überschätzen ihre Stärken – und finden beim genauen Hinschauen Einsparungen, die sie vorher nicht auf dem Schirm hatten. Effizienz ist selten ein Kostenfaktor, meistens ist sie das Gegenteil. 

Dazu kommt der zeitliche Vorsprung. Regulatorischer Druck kommt, ob man will oder nicht. Wer heute schon nachweisen kann, wie effizient er arbeitet, steht später nicht unter Zugzwang, sondern kann es als Argument nutzen – gegenüber Kunden, Investoren und Behörden. Der Unterschied zwischen einem Vorreiter und einem Nachzügler ist am Ende oft nur ein Jahr Vorbereitung.

Vielen Dank für das Interview, Matthias!

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