Adobe Photoshop vs. Affinity Photo

Photoshop gilt seit Anbeginn der digitalen Bildbearbeitung als DER Platzhirsch unter den Bildbearbeitungsprogrammen. Auch wenn die Lizenzkosten nie wirklich günstig waren, gab es im professionellen Kontext keine ernstzunehmende Alternative. Allerdings war der Aufschrei in der Kreativszene groß, als Adobe vor einigen Jahren die Adobe Cloud eingeführt und damit auf ein Abo-Modell umgestiegen ist. Gerade kleine Solo-Selbständige und Hobby-Kreative sind nicht mehr bereit, diese monatlichen Kosten zu tragen. Wie gut, dass es seit ca. sechs Jahren doch eine ernstzunehmende Alternative gibt: Affinity.
 

  1. Affinity – das Pendant zu Adobe?
  2. Gemeinsamkeiten
    1. Photoshop und Photo haben viele Ähnlichkeiten
    2. Photoshop Plugins können auch in Photo genutzt werden
  3. Unterschiede
    1. Personas statt Arbeitsbereiche
    2. Änderungen zurücknehmen, ohne Originaldatei zu zerstören
    3. Die wichtigsten Features sind drin
    4. Apps
  4. Fazit

Affinity – das Pendant zu Adobe?

Die Affinity Programme sind Produkte der Firma Serif. Sie sind als Alternativen zu den großen Adobe Programmen Photoshop, Illustrator und InDesign geschaffen worden. Aber das Ganze kommt nicht von ungefähr: Das Gründerteam von Serif besteht aus ehemaligen Adobe Entwicklern. ;-) Und das ist den Affinity Programmen auch anzusehen. Die grundsätzliche Bedienung ähnelt den Adobe Programmen schon sehr – ein Vorteil, der den Umstieg von Adobe auf Affinity besonders leicht macht. Einen großen Unterschied gibt es allerdings im Lizenzmodell. Bei Adobe ist nur ein monatliches Abonnement möglich. Für Affinity zahlt ihr hingegen einen einmaligen Preis von ca. 55 €.

Doch wie gut sind die Affinity Alternativen nun wirklich? Ich habe die beiden Top-Programme aus dem Lineup für euch verglichen.

Gemeinsamkeiten

Photoshop und Photo haben viele Ähnlichkeiten

Auf den ersten Blick findet der Adobe Nutzer bei Affinity Photo viele Ähnlichkeiten. Die Werkzeuge befinden sich vertikal angeordnet auf der linken Seite. Auf der rechten Seite findet man die Ebenen und verschiedene Einstellungsmenüs. Auch viele Tastenkombinationen, die man aus Phototshop kennt, lassen sich problemlos in Affinity Photo anwenden. Ebenso sind Filter und Effekte ähnlich strukturiert wie in Photoshop. Grundsätzlich gibt es kleine Unterschiede in den Bedienpattern, aber im Großen und Ganzen ist man als Photoshop-User schnell mit Affinity Photo vertraut. ;-)

Unterschiede gibt es teilweise in der Benennung von Features. Im Kern sind sie sich doch sehr ähnlich. Beispielsweise heißen „Actions“ in Affinity Photo „Macros“, unterscheiden sich in der Funktionsweise aber nicht allzu stark – wenn auch die Funktionalität in Photoshop etwas umfangreicher ist.

Photoshop Plugins können auch in Photo genutzt werden

Glücklicherweise gibt es eine hohe Kompatibilität zu Photoshop. So könnt ihr .psd Files in Affinity Photo öffnen. Genauso ist es euch in der Regel möglich, auch weiterhin Photoshop Plugins zu nutzen. Allerdings könnte es bei einigen älteren Plugins Probleme geben. Dasselbe gilt für Pinsel, sie können i.d.R. ebenso weiterverwendet werden. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind allerdings nicht ganz so umfangreich wie in Photoshop.

Unterschiede

Personas statt Arbeitsbereiche

Was Affinity Photo von Adobe Photoshop unterscheidet? Das sind z. B. die Arbeitsbereiche (Workspaces), die dort Personas genannt werden. Personas ändern je nach Anwendungsfall die Oberfläche von Affinity Photo und strukturieren das Menü um. Das Ziel dahinter: Die Oberflächen sollen aufgeräumter und auf den Anwendungsfall fokussiert sein. In der Standard-Persona stehen euch die grundsätzlichen Bildbearbeitungsfunktionen zur Verfügung. Daneben gibt es noch Liquify Persona, Develop-Persona oder Tone-Mapping-Persona. Sie bieten optimale Arbeitsumgebungen für die RAW-Bearbeitung, File-Export etc. an.

Änderungen zurücknehmen, ohne Originaldatei zu zerstören

Eine weitere Besonderheit von Affinity Photo: das durchgängige, nicht destruktive Arbeiten. In fast allen Fällen wird mit Modifikatoren gearbeitet – außer ihr wünscht explizit die Änderungen der Originaldaten. Normale Änderungen an Bildern können also jederzeit zurückgenommen werden, ohne die Originaldaten zu zerstören. In Ansätzen gibt es das auch in Photoshop, wird aber nicht durchgängig angewendet.

Die wichtigsten Features sind drin

Affinity Photo ist im Ganzen nicht so umfangreich wie Photoshop. Affinity fährt hier die Strategie, sich auf die wichtigsten Features zu konzentrieren, die von einer Mehrheit der Photoshop-Nutzer überhaupt verwendet wird. Wenn man sich in der Szene umhört, fällt häufig die Aussage, dass 95 % der gewohnten Photoshop-Features vorhanden sind. Damit solltet ihr eigentlich sehr gut auskommen – außer ihr habt häufig sehr spezielle Anwendungsfälle. ;-) 

Apps

Zudem möchte ich erwähnen, dass Affinity hervorragende iPad-Apps ihrer Tools Photo und Designer anbietet. Auch diese kosten nicht viel und funktionieren außerordentlich gut. Hier tut sich Adobe aktuell noch etwas schwer und zieht erst nach und nach seinen App-Cosmos auf dem iPad nach.

Fazit

Erfahrene Photoshop-Veteranen werden sich relativ schnell in Affinity Photo zurechtfinden. Den "Hardcore-Photoshop-Fans" werden aber sicherlich Funktionen und Workflows fehlen. Photo ist kein hundertprozentiger Ersatz für Photoshop, das muss ich klar sagen. Auch User, die viel im Adobe Cosmos unterwegs sind (After Effects, Premiere), werden sich wegen der nicht vorhandenen Integration schwer mit den Affinity Tools anfreunden können.

 

Wer jedoch 95 % der „normalen“ Bildbearbeitungsfunktionen von Photoshop nutzt, der wird mit Affinity Photo sehr gut bedient sein. Das Programm ist schnell, nicht überladen und bietet (fast) alles, was man zur Bildretusche und -komposition benötigt. Hinzu kommt der im Vergleich zum monatlichen Adobe Abo sehr günstige einmalige Anschaffungspreis.

Was sagt ihr zu den Affinity Programmen? Habt ihr Erfahrung mit Photo und könnt es ebenso weiterempfehlen? Ich freue mich von euch in den Kommentaren zu lesen.

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