So funktioniert WordPress per App-Steuerung

So funktioniert WordPress per App-Steuerung

Spätestens nach Apples bekanntem Satz "There is an app for that" ist klar: Für so ziemlich alles gibt es eine App. Aber macht sie auch immer Sinn? Wir sehen uns die WordPress App an und zeigen, ob Agenturen und Freelancer sie installieren sollten und worin ihr Mehrwert gegenüber dem herkömmlichen Login per Webbrowser liegen.

Apps können eine wertvolle Bereicherung für effektiveres Arbeiten am Tablet oder Smartphone sein. Wer mit WordPress auf dem Computer arbeitet, nutzt dafür den direkten Login über den Browser. Warum also auch nicht auf Mobilgeräten?

Wo WordPress auf dem Computer im Browser souverän funktioniert, leistete es auf dem Smartphone und dem Tablet nur widerstrebend alle Dienste. Die Bedienung per Touchscreen im Editor sorgte immer wieder für Fehler, das flüssige Schreiben wollte nicht so recht gelingen und die Integration in das mobile Betriebssystem ließ zu wünschen übrig. Für einen reibungsloseren Workflow war klar: Eine App muss her.

Wer die WordPress App (für iOS und Android verfügbar) nutzt, muss verstehen, dass im WordPress Universum zwischen zwei Webseiten differenziert wird:

  • WordPress.com Installationen: WordPress.com ist eine Plattform, die das Betreiben einer WordPress Installation erlaubt. Man erhält dafür kostenfrei eine Website unter der Subdomain wordpress.com, kann aber auch (kostenpflichtig) eine eigene Top-Level-Domain verwenden.
  • Eigenständige WordPress Installationen: Wenn die WordPress Umgebung bei Mittwald oder einem anderen Hoster liegt, ist sie in der Regel eine eigenständige Installation.

Die WordPress App wird von Automattic bereitgestellt, das Unternehmen von WordPress Gründer Matt Mullenweg. Auch wenn WordPress selbst eine freie Software ist, bietet Automattic mit WordPress.com verschiedenste kostenpflichtige Leistungen rund um das CMS an. Die Verbindung mit der WordPress App ist daher simpler, wenn es sich um eine WordPress.com Installation handelt. WordPress.com Installationen sind aber auch in ihrer Funktionsvielfalt gegenüber der eigenständigen Installation eingeschränkt.

Ein Hinweis vorab: In den Screenshots seht ihr die App auf dem iPad. Eventuell wirkt sie auf eurem Gerät etwas anders.

So funktioniert die Einrichtung der WordPress App

Die Installation der WordPress App unterscheidet sich nicht von der herkömmlichen Installation von Apps auf eurem Mobilgerät.

Nach dem Download öffnet ihr die App. Wie erwähnt, stammt die WordPress App von Automattic und damit dem Unternehmen hinter WordPress.com. Ihr benötigt für den Login also einen WordPress.com-Account. Dieser kann kostenfrei über die App angelegt werden. Keine Sorge: Auch wenn ihr eine eigenständige WordPress Installation habt, könnt ihr sie später in der App pflegen. Die Grundlage bleibt jedoch der WordPress.com-Account.

Solltet ihr bereits einen WordPress.com-Account haben (dieser ist Pflicht, wenn ihr eure Webseite irgendwann mit dem beliebten Plugin Jetpack betrieben habt), gebt einfach eure dazugehörige E-Mail-Adresse ein und lasst euch den "magischen Link" zur Authentifizierung in der App zuschicken. Diesen könnt ihr direkt über euer Mobilgerät in der App öffnen und damit die eigentliche Verbindung herstellen.

Magischer Link in der WordPress App

Die Verbindung zum eigentlichen Account ist hergestellt. Sollte Jetpack bislang auf keiner Website genutzt worden sein, fehlen auch die Verbindungen zu den WordPress Seiten. Diese Verbindungen gilt es dann anzulegen.

Dabei differenziert die App zwischen den beiden oben erwähnten Arten (WordPress.com oder eine eigenständige Installation). Hinweise in der Anwendung helfen euch bei der Konfiguration.

Nach der Einrichtung: Das kann die WordPress App

Die Verbindung steht. Wofür aber nun die Mühe? Die WordPress App bietet eine für Mobilgeräte optimierte Umgebung. Diese wird in folgende Bereiche unterteilt:

  • Meine Websites: der wohl für die meisten User wichtigste Bereich. Hier lassen sich Statistiken, Aktivitäten und Kommentare nachverfolgen, sowie neue Unterseiten und Artikel anlegen. Auch können einige Einstellungen gepflegt werden. Wer die komplette Funktionsvielfalt der WordPress Admin Umgebung sucht, wird per externen Link in den Browser des Mobilgeräts geführt.
  • Reader: WordPress erlaubt das Abonnieren von Webseiten, die ebenfalls mit WordPress arbeiten. Neue oder gespeicherte Beiträge würden im "Reader" auftauchen.
  • Schreiben: Ohne langes Klicken durch die "Meine Websites"-Funktionen könnt ihr mit einem Tipp auf "Schreiben" direkt mit dem Verfassen eines Artikels beginnen. Dieser kann direkt veröffentlicht, oder aber als Entwurf gespeichert werden.
  • Ich: Dieser Bereich umfasst Einstellungen und Informationen über den User.
  • Benachrichtigungen: Neue Kommentare, Likes und Follower werden hier zusammengefasst.

Ein Vorteil, den man sonst bei der herkömmlichen Nutzung von WordPress im Browser nicht hat, ist die parallele Verwaltung mehrerer Webseiten – das macht die WordPress App spannend für Agenturen und Freelancer. Es braucht keinen separaten Login in jede Administrationsoberfläche, sondern nur die einmalige Autorisierung. Ab da können die genannten Funktionen auf theoretisch jede eingetragene WordPress Seite angewandt werden. Leider funktioniert das aber nur in begrenztem Maße.

Eine Herausforderung ist die starke Verbindung der App zum Dienst "Jetpack". Da die Entwickler der App auch Jetpack entwickelt haben, ist es nur logisch, dass hier nach vielen Verknüpfungen gesucht wurde. So funktioniert der Reiter "Statistiken" nur mit der dazugehörigen Funktion in Jetpack. Bekannte und gängige Dienste wie Google Analytics werden nicht unterstützt.

Eine weitere Herausforderung sind Sonderkonfigurationen. Die WordPress App kann hervorragend mit WordPress Installationen arbeiten, solange sie nicht über Anforderungen wie bspw. Themes mit Inline-Editing, Affiliate-Plugins und mehr verfügen. Diese Funktionen erscheinen in der App nämlich nicht und können daher auch nicht konfiguriert bzw. integriert werden. Das ist besonders dort problematisch, wo komplette Seiten mit einem Theme wie Divi (das Theme verfügt über einen Page-Builder) oder einem Plugin wie WPBakery Page Builder (ein Plugin als Page-Builder, ehemals Visual Composer) aufgebaut sind.

Relativ "saubere" Installationen, die sich auf die nativen WordPress Funktionen beschränken, dürften sich mit der WordPress App aber gut pflegen lassen.

Wie gut kann man in der WordPress App schreiben?

Eine der Grundfunktionen von WordPress ist natürlich das Bearbeiten und Veröffentlichen von Inhalten. Wie erwähnt gelingt das über den Browser auf Mobilgeräten nur suboptimal. Wer auf dem Tablet oder sogar Smartphone schreiben will, sehnt sich daher nach einer besseren Lösung.

Die WordPress App hat dort Probleme, wo sie über die nativen Funktionen des CMS hinausgeht. Verfügt man über eine Installation, die mit den Basisfunktionen von WordPress auskommt, dürfte das Pflegen von Inhalten aber gut möglich sein. Man findet einen aufgeräumten Editor mit diversen Formatierungsmöglichkeiten, der konzentriertes Arbeiten erlaubt.

Dabei gilt natürlich: Wie von Tablets und Smartphones gewohnt, ist langes Schreiben auf dem Touchscreen ungünstig. Eine Bluetooth-Tastatur kann den vom Desktopcomputer gewohnten Komfort schaffen. Für kleine Entwürfe dürfte die virtuelle Tastatur natürlich ausreichen.

Ist die WordPress App relevant für Agenturen und Freelancer?

Im ersten Moment ist die Logik klar: Es gibt eine App für einen Dienst, den man häufig benutzt, also macht die App auf jeden Fall Sinn. Leider ist das bei WordPress so nicht ganz der Fall. Die mobile Anwendung raubt dem CMS viele Funktionen und macht dieses in der Applikation nur begrenzt verwalt- und steuerbar. Die fehlenden Steuermöglichkeiten könnten die App für Agenturen und Freelancer, die die Seite häufig eher auf technischer Ebene pflegen, überflüssig machen.

Anders sieht es für Redakteure aus, die WordPress mit den nativen Funktionen betreiben. Hier kann die Installation auf dem Tablet ideal für das Schreiben im Zug, in einem Café oder aber in einem Coworking-Space sein. Ärgerlich ist, dass einige Funktionen, wie z. B. die Statistiken, sich nur mit dem Dienst Jetpack nutzen lassen. Dieser ist jedoch, mit einem Blick Richtung DSGVO, für die Nutzung in Deutschland bedenklich.

Als Fazit bleibt, dass die WordPress App eine saubere und übersichtlich programmierte App ist, mit der sich mehrere Webseiten zentral pflegen lassen. Jedoch gibt es einige Hürden, die Freelancer und Agenturen abschrecken könnten. Was bleibt, ist individuell zu schauen, wo und wie die mobile WordPress Anwendung den Alltag bereichern kann.

Habt ihr die App schon getestet oder nutzt sie vielleicht auch in eurem Arbeitsalltag? Dann berichtet uns gerne hier davon. Wir sind gespannt!

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