QR-Code-Marketing: zwischen Genialität und Absurdität

QR-Code-Marketing: Eine Gratwanderung zwischen Genialität und Absurdität

QR-Codes: Eigentlich doch eine brillante Sache! Dadurch, dass sich Zeichenketten verschiedenen Formats in ihnen speichern lassen, gibt es denkbar viele Verwendungsmöglichkeiten. Von der Link-Weiterleitung bis hin zur Ordnungshilfe erweisen sich die QR-Codes als Allround-Talent. Doch ist und bleibt der kleine Code nur so gut, wie die Idee dahinter.

  1. Erfunden, um zu helfen
  2. Richtig eingesetzt: Eine Bereicherung für unseren Alltag
  3. Kompletter Unfug
  4. Smart sein, Regeln befolgen!
  5. Ein paar Regeln sind da schon …
  6. Ein ganz einfacher und überschaubarer Prozess

Erweist sich der Initiator einer QR-Code-Kampagne als wenig geistreich und stumpf, können die Matrizen mitunter ziemlich nervig werden und stehen somit inzwischen als Sinnbild der Angewohnheit, etwas Neues auszuprobieren, einfach weil es neu ist und nicht, weil der Nutzen dahinter überzeugt hat.

Erfunden, um zu helfen

Den Ursprung finden die Quick-Response-Codes schon 1994 im Automobilkonzern Toyota in Japan. Hier werden einzelne Komponenten mit den Codes gelabelt, um sie schneller ordnen und erfassen zu können. Eine beachtliche Menge an Daten lässt sich so mit schwarzen und weißen Quadraten binär speichern. Der maximale Informationsgehalt beträgt 23.648 Bits, was ca. 7.000 Dezimalziffern oder gut 4.000 alphanumerische Zeichen bedeutet. Ziemlich viel Platz für gute Ideen.

Richtig eingesetzt: Eine Bereicherung für unseren Alltag

Plötzlich ist es ganz leicht, die Offline-Welt mit der Online-Welt schnell und einfach zu verknüpfen. So lassen sich beispielsweise Katalogseiten sinnvoll durch QR-Codes ergänzen. Diese könnten dann auf die Website des gezeigten Produktes verweisen oder auf Zusatzinformationen, wie die Hörprobe einer CD oder das Autoreninterviews eines Buches, linken. Auch sinnvoll ist ein QR-Code auf einer Visitenkarte, mit dem sich der komplette Kontakt bequem auf dem Smartphone speichern lässt.

QR-Code auf dem Mittwald Partnerprogramm-Flyer

Hier verlinkt ein QR-Code auf die Anmeldung zum Mittwald Partnerprogramm

Überhaupt sind die Matrizen bei jeglichen Codes oder Texten hervorragend einsetzbar, die zu lang oder umständlich einzutippen sind (aktuelle Abfahrzeiten einer Bahn, ein Rabattcode, ein Motto, etc.). Und vielleicht ist es ja bald auch schon normal, per QR-Code zu bezahlen. Dieser ist dann auf die Rechnung aufgedruckt und erspart uns das lästige Eintippen der Kontoinformationen. Wie praktisch!

Kompletter Unfug

Doch warum findet diese tolle Erfindung keinen Anklang bei den Anwendern? Laut econsultancy werden QR-Codes noch immer kaum genutzt. Bei steigender Zahl der Smartphone-Besitzer. Woher also die Verdrossenheit den Codes gegenüber? Es könnte an dem oft unnsinnigen Einsatz liegen: Denn was genau soll mir der QR-Code in der E-Mail oder auf der Website bringen? Ein Link würde seinen Zweck durchaus erfüllen. Falls ich die E-Mail oder Website dann noch mit meinem Smartphone geöffnet habe … naja.

Solange ein QR-Code online nicht einen Kontakt speichert oder auf eine Mobile-App verlinkt, ist seine Existenz schlicht nicht zu rechtfertigen und nervt obendrein. Witze und Beispiele für einen schlichtweg falschen Einsatz gibt es Zuhauf und die können mitunter sehr erheiternd sein. ;)

Smart sein, Regeln befolgen!

Die kleinen Codes lassen eben ganz deutlich spüren, wann etwas nicht zu Ende gedacht worden ist. Natürlich kann man einen QR-Code in einer E-Mail versenden. Aber eben nur, wenn er dort eine sinnvolle Berechtigung hat. Ähnlich sieht es mit Plakatwänden aus. Nur weil ein QR-Code tolle Möglichkeiten eröffnet, heißt das nicht, dass es ganz und gar fantastisch für den Rezipienten ist, die Website einer auf der Plakatwand beworbenen Marke per QR-Code zu öffnen. Ein stimmiger Werbespruch würde hier mehr bewegen.

Bestimmt gibt es auch hier Positiv-Beispiele (mir fällt da wieder der passende Trailer zur Kinowerbung ein), aber generell sollten sich die Marketing-Verantwortlichen darüber bewusst sein, dass sie mit einem schnöden QR-Code-Link kein Abenteuer bzw. keinen Mehrwert für den Kunden bieten. Wer mehr über das beworbene Produkt erfahren möchte, kann die relevante URL ebenso gut eintippen. Kein Problem.

Hier wird deutlich: Mit der Planung und der Ausführlichkeit der Überlegungen im Vorfeld steht und fällt der Erfolg einer QR-Code-Kampagne.

Ein paar Regeln sind da schon …

Eigentlich kann nichts schiefgehen, wenn man folgende Regeln und Grundsätze beachtet, denn QR-Codes haben wirklich das Potenzial grandios zu sein.

1
Sei sicher, dass der Code seinen Zweck erfüllt
Spiele ich den Anwenderfall durch, fällt mir natürlich sofort auf, dass es mir als Kunde einer Pizzeria rein gar nichts bringt, wenn ein auf der Speisekarte platzierte QR-Code auf die Website des Restaurants verlinkt.

Mit ein wenig Überlegung lassen sich die gröbsten Fehler absolut vermeiden.

2
Verlinke nur auf mobile optimierte Seiten
Gleiches Prinzip. Natürlich scanne ich einen QR-Code mit einem mobilen Endgerät, weshalb die verlinkte Seite natürlich auch für eben diese optimiert sein muss.
3
Platziere wohlüberlegt
Am besten behält man die äußeren Einflüsse im Hinterkopf: Es gibt Orte, da kann das Scannen eines QR-Codes mitunter gefährlich werden, wie auf Reklame an der Autobahn.

An anderen Orten wie einem Flugzeug oder der U-Bahn ist das Scannen gar nicht erst möglich, da die Internetverbindung nicht gegeben ist. Am besten werden QR-Codes vermutlich dort angenommen, wo das Smartphone schnell zur Hand ist.

4
Benutze die richtige Größe
Es gibt eine inoffizielle Faustregel, die besagt, dass ein Code mit einer Kantenlänge von 2,5 cm aus bis zu 30 cm Entfernung gescannt werden kann. 10 Meter Entfernung verlangen dementsprechend mindestens 50cm Seitenlänge.

Vielleicht ist der minikleine QR-Code oben an der Hauswand also gar nicht benutzbar?

5
Kürze die URL
Je länger die codierte Botschaft ist, desto aufwendiger wird es, den Code zu scannen. Daher empfiehlt sich die Benutzung eines URL-Shorteners.
6
Sage deinen Kunden, was sie erwartet
Geheimnisse sind an dieser Stelle nicht erwünscht. Der Nutzer möchte wissen, worauf er sich einlässt. Sonst ist er vielleicht auch enttäuscht, wenn der geheimnisvolle QR-Code auf eine Landingpage verweist. Daher empfiehlt es sich anzuzeigen, was er zu erwarten hat.
7
Teste deinen Code
Hat beim Erstellen alles funktioniert? Eure QR-Codes solltet Ihr auf jeden Fall ausprobieren, bevor Ihr sie freigebt. Nicht funktionierende Codes führen auf Anwenderseite sonst nämlich nur zu Frust.
8
Tracke
Für die Marketingabteilung ein Segen: An mit einem Kampagnen-Referrer gekennzeichneten URLs lässt sich der Nutzen der Maßnahme überprüfen.

Ein ganz einfacher und überschaubarer Prozess

Richtig und durchdacht eingesetzt, bietet ein QR-Code nicht nur einen Mehrwert für den Nutzer, nämlich die gewünschten Informationen, sondern erweist sich ebenso als praktisches Marketingwerkzeug für den Auftraggeber und erzeugt nebenbei auch noch Traffic. Wenn da nur nicht die Vorstellung eines magischen Wunderwerkzeugs als Allzweckwaffe der Bespaßung in den Köpfen mancher Werbeleute wäre… ;-)

Ziel und Zweck ist, wie der Name schon sagt, der Response. QR-Codes bieten eine kreative Möglichkeit mit dem Nutzer zu kommunizieren und gleichzeitig Informationen zu übermitteln.

Kommentare

  1. Gravatar
    Miriam am

    Wer mal mehrere QR-Codes generieren möchte sollte mal ausprobieren. Besonders für Agenturen interessant da die ja meistens nicht nur einen erstellen wollen

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  2. Gravatar
    moussavi am

    sehr gut, vielen Dank

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  3. Gravatar
    C.Milici am

    Obwohl die Technik echt Trendy ist (oder sein sollte) machen wir leider allzu häufig die Erfahrung, das die Akzeptanz (Anzahl der Scans) gleich NULL ist.

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  4. Gravatar
    Michael Hack - QR Track am

    Interessanter Blog zum Thema QR Code. Ich selber betreibe eine Plattform (QR Track) zum Tracken von QR Codes, sprich wie oft wurde ein QR Code gescannt. In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass nach wie vor viele Fehler beim Platzieren und Aufbereiten (optimierte Landingpage) von QR Codes gemacht werden. Allerderings steigt die Qualität der QR Codes stetig an.

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  5. Gravatar
    Jochn am

    Ich hab gestern mal einen Versuch gemacht und alle möglichen QR-Codes in einer Computerzeitschrift gescannt (CT). Der einzig sinnvolle war auf eine Stellenanzeige gedruckt und führte auf eine gute mobile Seite mit mehr Stellenanzeigen aus dem Unternehmen (ich glaub es war VW?).

    Die meisten gingen aber einfach auf normale Webseiten ohne Mehrwert, z.B. bei einem Shop auf die normale Produktseite die selbst mit einem 5 Zoll Smartphone nicht wirklich übersichtlich oder benutzbar ist.

    Wenn das so weiter geht, wird so eine gute Idee kaputt gemacht…

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    Sabrina Pfirschke am

    Hallo,

    sehr interessanter Artikel. Mittlerweile werden die QR-Codes auch in Museen eingesetzt, um den Besuchern ergänzende Informationen zukommen zu lassen.
    Hier findet Ihr mehr dazu:

    Ich freu mich auf Euren Besuch!

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  7. Gravatar
    Tobias Gath via Facebook am

    haha

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  8. Gravatar
    Ingo Herber via Facebook am

    QR-Codes werden nur von Agentur-Mitarbeitern gescannt :-)

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  9. Gravatar
    Eike Pazulla via Facebook am
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  10. Gravatar
    Eike Pazulla via Facebook am
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  11. Gravatar
    Christian Goldbach via Facebook am
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  12. Gravatar
    Christian Goldbach via Facebook am
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