Freelancer aufgepasst: So präsentiert ihr euer Portfolio richtig!

Freelancer aufgepasst: So präsentiert ihr euer Portfolio richtig!

Neues Jahr, neue Chancen! Wie du vielleicht noch eher zu neuen Aufträgen oder auch zu einem neuen Job kommst, zeigen wir dir in diesem Blog-Artikel. Denn als Freelancer, Designer oder sonstiger Kreativschaffender ist ein aussagekräftiges Online-Portfolio immer wichtig. Die folgenden Tipps helfen dir, häufige Fehler zu vermeiden.

  1. Ob online oder offline: Fasse dich kurz
  2. Designstrategien: Bleib auf‘m Teppich
  3. Lass deine Urkunden und Zertifikate stecken
  4. Kundennamen beeindrucken heutzutage keinen mehr
  5. … Stelle deine besten Projekte vor
  6. Stelle deine Stärken heraus
  7. Decke deine Schwächen über Kooperationen ab
  8. Halte deine sozialen Profile sauber
  9. Wenn du deine sozialen Profile verlinkst, sei auch aktiv
  10. Noch mehr Informationen zum Thema

Ob online oder offline: Fasse dich kurz

Ein Online-Portfolio unterscheidet sich von konventionellen Bewerbungsunterlagen hauptsächlich durch das Medium. Daraus leiten wir schon einmal ab, dass für Online-Portfolios im Wesentlichen die gleichen Regeln gelten, wie für deren papierne Pendants. Wichtigste Maxime einer jeden Selbstdarstellung ist daher: Kurz, aber prägnant muss sie sein. Wenn du erwartest, dass dich Arbeit- oder Auftraggeber über dein Portfolio kontaktieren, darfst du es nicht zu einer Mammut-Website ausbauen, die du selber nur noch schwer durchblickst. Wie immer gilt: In der Kürze liegt die Würze. Schreib also in dein Online-Portfolio eine Personenbeschreibung in einem Satz. Dieser enthält deinen Namen, deine derzeitige Lokation und deine Profession. Etwa so:

„Ich bin Hans Gestaltinger, 25 Jahre alt, lebe in Espelkamp und arbeite als Grafikdesigner.“

Diesen Satz darfst du ruhig wie eine Art Slogan groß in deinem Online-Portfolio darstellen. So wie es dieser Produkt-Designer tut.

Freelancer Portfolio

Screenshot: D.Petereit

Unterhalb des prägnanten Satzes findet sich der Hinweis „Read more”. Ein Klick darauf blendet weitere Informationen zu seiner Person ein. Da sich der künftige Arbeit- oder Auftraggeber an dieser Stelle bereits entschieden hatte, mehr wissen zu wollen, ist der folgende etwas längere Text vollkommen in Ordnung, zumal es sich auch nur um drei weitere Sätze handelt. Nunos Portfolio würde ich zumindest in diesem Punkt als Best Practice gelten lassen.

Designstrategien: Bleib auf‘m Teppich

Vor allem Designer glauben, sie müssten ihr Portfolio zu einer Machtdemonstration ausbauen und sämtliche, möglichst komplizierte Design-Trends auch für ihre Selbstdarstellung verwenden – der potenzielle Arbeit- oder Auftraggeber muss schließlich beeindruckt werden. Sicher ist dir bei so einer Vorgehensweise nur eines: Dein Portfolio wird in Designerkreisen als äußerst kreativ gelobt und weithin herumgereicht werden. Das ist schön und macht stolz. Davon allerdings bekommst du keinen Job. Bist du also ernsthaft auf der Suche nach einem Arbeitsplatz, dann solltest du dir klar machen, dass Personaler heutzutage nur noch wenig Zeit für die Sichtung von Interessenten aufwenden. Wenn sie deinem Portfolio eine bis zwei Minuten Aufmerksamkeit schenken, dann kannst du schon zufrieden sein. Sicher ist es wichtig, dass dein Portfolio nicht aussieht wie mit PowerPoint erstellt. Dennoch geht es auch schlicht und nicht protzig. Animationen solltest du besonders sparsam einsetzen. Speziell solche, auf deren Ladefortschritt der Besucher noch warten muss, sollten tabu sein. Je nachdem, für welche konkrete Branche du dich bewirbst, kann es wesentlich wichtiger sein, auf Standardkonformität des Quellcodes und Professionalität im Bildeinsatz (Auflösung, Größen, etc.) zu achten, als durch besondere Gestaltungsideen zu glänzen. Besonders geeignet für das herkömmliche Online-Portfolio sind Onepager. Hier vermeidest du auch potenzielle Verwirrungen in Sachen Navigation. Wer dein Portfolio von oben nach unten durchscrollt, ist am Ende vollständig im Bilde.

Lass deine Urkunden und Zertifikate stecken

Bewerber scheinen generell zu glauben, sie müssten vom glorreichen Kindergarten-Abschluss über das Hochschulabgangszeugnis und sämtlichen etwaigen Zwischenschritten, wie Praktikumsbescheinigungen und Fortbildungsnachweise, lückenlos belegen, was sie wann mit welchem Erfolg gemacht haben. Das ist kompletter Unfug. Natürlich will der Arbeitgeber irgendwann deine Unterlagen sehen, aber mit Sicherheit nicht in der Sichtungsphase. Er wird zunächst davon ausgehen, dass du behauptete Abschlüsse tatsächlich hast. Du musst ja auch nicht deine Geburtsurkunde beifügen, um zu beweisen, dass du noch am Leben bist. In einem Online-Portfolio haben diese Unterlagen nichts verloren. Spar dir also die Arbeit und lass sie am besten weg.

Kundennamen beeindrucken heutzutage keinen mehr

Manch Kundenliste in einem Online-Portfolio liest sich wie das „Who-is-Who” des DAX. Würde man genauer dahinter schauen, stelle man fest, dass sich die Arbeit für den jeweiligen Kunden nicht unbedingt auf Führungsebene abgespielt hat. Da heutzutage fast jeder mit bekannten Kunden prahlt, ist die Möglichkeit, damit Eindruck zu schinden, weg. Es ist schlussendlich auch nicht wichtig, für wen du schon gearbeitet hast, sondern worin deine Mitarbeit bestand. Deshalb kannst du die Kundennamen auch weglassen – zumindest in der beliebten Form der vollständigen Liste. Pick dir eine Handvoll Kunden heraus und…

… Stelle deine besten Projekte vor

Ich meine, stelle die besten Projekte, nicht etwa alle, vor. Innerhalb der Besten nimmst du auch nur die Aktuellsten. Es interessiert keinen, ob du 1994 eine der ersten Websites für ein deutsches Unternehmen gebaut hast. Es interessiert nur, ob du den Herausforderungen der Gegenwart gewachsen bist. In diesem Zusammenhang ist es empfehlenswert, Fallstudien zu ausgewählten Projekten zu bringen. Was war genau deine Beteiligung am Projekt? Worin bestand das Problem und wie hast du es gelöst? Das darf ruhig etwas technisch daherkommen und mit Skizzen und Screenshots versehen sein – eine ansprechende Präsentation halt. So etwas ist blanken Screenshots mit Links zu Seiten, an denen du gearbeitet hast, bei Weitem überlegen. So könnte das aussehen:

Freelancer Portfolio: nur die besten Projekte

Screenshot: D.Petereit

Hast du deine Fähigkeiten kontinuierlich fortentwickelt? Gehen wir mal davon aus und kommen zum nächsten Schritt.

Stelle deine Stärken heraus

Es ist in Mode gekommen, die eigenen Fähigkeiten auf einer grafischen Skala abzubilden. Lass das lieber sein. Was hat der potenzielle Arbeitgeber für eine Information erhalten, wenn er anhand eines Balkendiagramms sieht, dass du 73 Prozent Fähigkeiten in Photoshop und 65 Prozent Skills in Dreamweaver hast? Stelle nur das heraus, was du tatsächlich beherrschst. Und flunkere dabei nicht. ;-) Angeblich kann ja heutzutage praktisch jeder Konversationsenglisch, wenn man sich auf Portfolios verlässt. Diese Schwindeleien haben extrem kurze Beine. Eine Rückfrage, und die Blase platzt.

Decke deine Schwächen über Kooperationen ab

Dieser Tipp ist nur für Freelancer von Bedeutung. Wenn du dich mit deinem Portfolio um Kundenaufträge bewirbst, dann mach ruhig klar, wo deine Grenzen liegen und mit welchen Kooperationspartnern du diese aufhebst. So kommst du auch für Aufträge in Betracht, die du alleine aufgrund mangelnder Kenntnisse eher nicht bekommen hättest.

Halte deine sozialen Profile sauber

Egal, ob du dich um einen Arbeitsplatz oder einen Auftrag bewirbst, sieh zu, dass deine sozialen Profile einigermaßen „sauber“ oder wenigstens nicht öffentlich sind. Optimalerweise benutzt du deine Social Networks, um mit deinen Fähigkeiten hausieren zu gehen und dadurch Mehrwert für andere zu schaffen. In dem Falle solltest du die Profile unbedingt im Portfolio hinterlegen.

Freelancer Portfolio: Soziale Profile sauber halten

Solche Bilder sollte es von dir besser nicht geben.

Gibt es etwa ein paar fragwürdige Bilder von diversen Partys zu entdecken, dann lass das entsprechende Profil besser weg. Generell solltest du es mit Eric Schmidt (Alphabet Inc.) halten. Der empfiehlt: Wenn es etwas gibt, von dem du auf keinen Fall willst, dass irgendjemand davon erfährt, dann solltest du es besser gar nicht erst tun. ;-) Das ist in beruflichen Zusammenhängen ein ganz großartiger Rat. Privat finde ich allerdings schon, dass du durchaus das ein oder andere Geheimnis haben darfst. Wir sind ja nicht aus Glas.

Wenn du deine sozialen Profile verlinkst, sei auch aktiv

Ebenso wenig Sinn ergibt es, soziale Profile zu verlinken, auf denen sich überhaupt nichts abspielt. Wenn du deinen Twitter-Account eben erst eröffnet hast, dann fülle ihn erst mal mit Content, bevor du ihn prominent vom Portfolio aus verlinkst. Diesen Fehler machen übrigens sogar Start-ups und wundern sich dann, dass ihnen keiner folgt. Aktivitäten auf den (verlinkten) sozialen Profilen sollten dann von fachbezogenen Inhalten dominiert und nicht mit Lebensmittelfotos und privaten Befindlichkeiten verwässert werden. Damit will ich nicht sagen, dass du deine sozialen Aktivitäten einschränken sollst. Ich empfehle lediglich die Trennung von privaten und beruflich-geschäftlichen Accounts.

Noch mehr Informationen zum Thema

Wenn du dich nun irgendwo bewerben willst, schau mal in den Beitrag „26 kostenlose HTML-Bewerbungsvorlagen für deinen nächsten Top-Job”. Vielleicht ist da was dabei für dich. Bleibe aber kritisch, wenn du dir die dort vorgestellten Templates anschaust. Denn diese sind natürlich von Designern entworfen und folgen nicht notwendigerweise in jedem Punkt den Empfehlungen aus diesem Artikel. Einen guten Anfang können aber sicherlich einige dennoch darstellen. Eine interessante Infografik soll den Schlusspunkt bilden. 

Ich wünsche dir in jedem Fall viel Erfolg bei der Erstellung deines Portfolios und beim Erreichen deiner dafür vorgesehenen Intention! Und falls du deine Erfahrung mit uns teilen möchtest, schreib gerne einen Kommentar.

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