Wie sich die Pandemie auf unsere Arbeit auswirkt

  1. Der neue Job mitten in der Pandemie
  2. Anerkennung und Zusammenhalt
  3. Demotivation und Alltagstrott
  4. Gemeinsam durch die Krise

Der neue Job mitten in der Pandemie

Ich habe im Dezember 2020 bei Mittwald angefangen. Die Teams selbst kenne ich hauptsächlich aus Remote-Besprechungen. Als Agile Coach gehört es zu meinen Aufgaben, die Arbeitsprozesse zu begleiten und zu erkennen, ob es irgendwo hakt. Gerade das ist im Home Office aber nicht immer möglich.

Viel liegt hier in der Eigenverantwortlichkeit aller Kolleg*innen. Im Home Office muss man sich selbst organisieren, Probleme selbstständig weitergeben und selbst merken, wenn man Unterstützung braucht. Als Agile Coach kann man hier zwar unterstützen, ist aber auf die Eigeninitiative der Mitarbeiter*innen angewiesen.

Zum Glück haben wir bei Mittwald viele Austauschmöglichkeiten geschaffen. Hier im Blog haben wir auch bereits über Tools berichtet, die dabei helfen können, den Austausch mit den Kolleg*innen nicht zu verlieren. Gerade wenn man neu in einem Unternehmen angefangen hat und noch keine persönlichen Kontakte vor Ort pflegen kann, merkt man erst, wie wichtig Begegnungen sind, die sonst eher zufällig entstehen würden: der Smalltalk an der Kaffeemaschine, das spontane Gespräch über die aktuellen Aufgaben. All das hilft, den eigenen Blickwinkel zu verändern und/oder ein Gespür für das Arbeitsumfeld zu bekommen.

Mit dauerhaft verfügbaren Teamspeak-Channeln und Slack als Chatplattform versuchen wir diese Möglichkeit auch in der Home Office Situation zu ermöglichen. So können alle einfach andere Kolleg*innen ansprechen oder sich in das virtuelle Work-Café stellen, um mit anderen Mitarbeiter*innen in den Austausch zu kommen.

Anerkennung und Zusammenhalt

Je mehr Zeit wir zwischen Lockdown und Lockerungen verbringen, desto stärker nehmen wir wahr, dass einige Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

 

Wurden die Wünsche nach Anerkennung, Zuwendung oder Zusammenhalt beim Arbeitsalltag oft eher nebenbei erfüllt, kommen diese in Zoom-Meetings, Slack-Chats oder auf Miro-Boards oftmals leider zu kurz. Zu Hause steht z.B. niemand hinter dir, der dir anerkennende Worte zuspricht, weil du einen lang verborgenen Fehler endlich finden konntest.

 

Ich kann Kolleg*innen nur die Empfehlung aussprechen, sich gegenseitig auch mal zu loben oder sich zu bedanken, damit diese die Wertschätzung bekommen, die sie verdienen. Das steigert die Zufriedenheit aller Beteiligten und erhöht auch in der Remote-Situation den Zusammenhalt.

 

Es zeigt sich, dass gerade die sozialen Bindungen in der aktuellen Situation zu kurz kommen. Sie sind aber entscheidend für das Erzeugen einer sozialen Identität – und sie wirken sich auf die Gesundheit jedes Einzelnen aus.

Home Office

Demotivation und Alltagstrott

Nach einem Jahr mit der Pandemie sind ganz neue Tendenzen wahrnehmbar. Kaum jemand traut sich, seinen Jahresurlaub zu planen, da nicht absehbar ist, wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Wir befinden uns in einer Schwebe, die mit einem starken Autonomie-Verlust einhergeht. Es fehlt etwas, auf das wir uns freuen können.

Gerade dadurch fühlt sich auch jeder Tag ein wenig gleichförmig an. Die Wanderwege sind wir im letzten Jahr schon ausgiebig gegangen. Wir sehen jeden Tag dieselben Personen und auch der Tagesablauf verläuft inzwischen in geregelten Bahnen. Selten passiert etwas vollkommen Neues oder Außergewöhnliches. Und das wirkt sich auf die eigene Motivation aus.

Je länger die Pandemie dauert, desto mehr sind die Kräfte erschöpft. Hier gilt es, ein Gespür für den eigenen Körper zu entwickeln. Nur weil ein Urlaub im Ausland nicht möglich ist, heißt es nicht, dass man keine Erholung braucht. So kann meine Empfehlung nur lauten, sich eine Möglichkeit zu suchen, einmal wirklich abzuschalten und einen Erholungsraum zu schaffen, der frei von Arbeit und Stress gehalten werden kann.

Ein Teilaspekt ist auch die richtige Einrichtung des Arbeitsplatzes. Wenn man hier denselben Ort für seine Freizeitaktivitäten und seinen Arbeitsplatz nutzt, besteht das Risiko, dass man entweder nach Feierabend nicht richtig abschalten kann oder morgens auf Grund von Ablenkungen Schwierigkeiten hat, in den Joballtag zu starten. Eine räumliche Trennung und/oder ein ausgedehnter morgendlicher Spaziergang zum Arbeitsplatz können Wunder wirken.

Bei Mittwald haben wir zusätzlich einige Freizeitaktivitäten geschaffen, um ein wenig abschalten zu können. So gibt es Online-Spielabende, gemeinsames Kochen, Joggen oder einfach Austauschkanäle zu verschiedenen Themen. Jeder kann spontan dazukommen oder das Angebot nutzen, selbst eine Runde auszurufen.

Gemeinsam durch die Krise

In Krisenzeiten wird immer wieder das sogenannte Katastrophen-Mitgefühl (Catastrophe Compassion) beobachtet: Leute möchten etwas tun, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Sie fahren z.B. zum Unglücksort und stemmen zusammen mit anderen Freiwilligen Sandsäcke. Dies stärkt einerseits das Gemeinschaftsgefühl, andererseits aber auch die eigene Selbstwirksamkeit.

Doch diese Krise ist anders. Es mangelt nicht an Impfhelfern, sondern an Impfstoff. Es gibt wenig Möglichkeiten, um sich aktiv einzubringen, um die Krise zu lösen. Eher im Gegenteil: Um helfen zu können, müssen wir unsere Aktivitäten reduzieren.

Was wir machen können, ist, unsere Kolleg*innen dabei zu unterstützen, bestmöglich durch die Krise zu kommen und dabei auch auf uns selbst zu achten. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, in der viele unserer Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden. Daher sollten wir lernen, dies wahrzunehmen und dann gezielt zu intervenieren.

Wer über seine Probleme redet, hat den ersten Schritt getan, um diese zu lösen. Dazu stehen wir als Agile Coaches bei Mittwald allen Kolleg*innen als Gesprächspartner zur Seite. An anderer Stelle haben wir dazu bereits Einblicke in unsere Arbeit gegeben. Mehr erfährst du dann in unseren nächsten Artikeln.

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