Umstieg von Windows auf Linux

Umstieg von Windows auf Linux leicht gemacht

Das Open Source-Betriebssystem Linux hat sich in den letzten 20 Jahren einen festen Platz im Herzen vieler Computer-Liebhaber erobert. Während Linux sich daher also gerade auf Server-Systemen weiter und zunehmender Verbreitung erfreut, führt es auf den Desktop-Rechnern weiterhin eher ein Nischendasein.

  1. Warum Linux?
  2. Welche Distribution?
  3. Linux Mint herunterladen und installieren
  4. Konfiguration
  5. Verwendung der Standard-Software
  6. Installation neuer Software
  7. Ausblick

„Alles viel zu kompliziert“, sitzt es in den Köpfen vieler Anwender fest – zu Unrecht, denn das Klischee von Linux als kryptischem, den Geeks vorbehaltenen und von Normal-Sterblichen unmöglich zu installierendem Betriebssystem stimmt längst nicht mehr. Das Ziel dieses Blog-Beitrags ist, zu zeigen, dass der vollständige Umstieg von Windows auf Linux gar nicht so schwer ist, wie alle denken.

Warum Linux?

In der Vergangenheit stand Linux häufig im Ruf, schwer installierbar und schlecht dokumentiert zu sein. Dieses Argument trifft heutzutage nicht mehr zu; dank grafischer Installer und umfangreicher Dokumentationen (auch in deutscher Sprache), sind aktuelle Linux-Distributionen ebenso einfach zu installieren wie Windows oder MacOS. Auch das Argument der mangelnden Hardware-Unterstützung ist nicht mehr aktuell; hatte man vor einigen Jahren noch teilweise arge Probleme mit Hardwaretreibern – vor allem auf Notebooks – treten hier mittlerweile fast keine Probleme mehr auf. Ein weiteres Argument für den Einsatz von Linux ist die Einsparung von Lizenzkosten; immerhin ist Linux Open Source und damit vollkommen kostenlos.

Dies alles ist Grund genug, einmal zu beleuchten, wie die Installation von Linux sowie der Umstieg von Windows überhaupt vonstatten gehen kann.

Welche Distribution?

Genau genommen bezeichnet der Begriff Linux selbst nur den eigentlichen Betriebssystem-Kern (den „Kernel“). In der Praxis wird daher der Linux-Kernel zusammen mit einem mehr oder weniger umfangreichen Satz an Zusatzsoftware angeboten. Ein solches Paket aus Kernel und zusätzlichen Programmen wird als „Distribution“ bezeichnet. In den letzten Jahrzehnten ist hier eine erstaunliche Artenvielfalt entstanden, die zunächst erschlagend wirken kann. Diese Distributionen sind in der Regel auf unterschiedliche Ansprüche optimiert.

Das Ziel von „Gentoo Linux“ ist beispielsweise eine möglichst hohe Anpassbarkeit, setzt jedoch gleichzeitig fortgeschrittene Kenntnisse voraus. Die Distribution „Debian“ ist hingegen eher auf die Systemstabilität fokussiert, während Distributionen wie „Ubuntu“ oder „Linux Mint“ vor allem auf Benutzerfreundlichkeit optimiert sind. Gerade aus diesem Grund eignen sich vor allem Ubuntu und Mint besonders für Einsteiger. Im Folgenden möchte ich die Installation von „Linux Mint“ näher betrachten. Die Installations-Oberfläche von Ubuntu sieht ein klein wenig anders aus, funktioniert im Grunde aber genauso.

Linux Mint herunterladen und installieren

Nahezu jede Linux-Distribution kann als Download über das Internet bezogen werden. Einige Distributoren bieten gegen eine – meist geringe – Gebühr auch an, Euch eine Installations-CD per klassischer Briefpost zuzuschicken. Nicht anders verhält es sich bei Linux Mint, von welchem auf der offiziellen Internetseite eine ISO-Datei zum Download angeboten wird. Dabei handelt es sich um ein Abbild einer CD.

Unter Windows 7 kann dieses direkt mit dem Windows Explorer auf CD gebrannt werden (bei einem Doppelklick auf die ISO-Datei öffnet sich ein Dialog „Datenträgerabbild brennen“); in älteren Windows-Versionen helfen Tools wie beispielsweise Infra Recorder. Auch unter MacOS ist ein Brennen mit Bordmitteln möglich; hier versteckt sich die entsprechende Funktion im Festplatten-Dienstprogramm. Selbstverständlich ist es genauso möglich, das ISO-Abbild auf einen USB-Stick zu kopieren – nützlich, wenn der Rechner kein CD-Laufwerk hat. Ein bootfähiger USB-Stick kann zum Beispiel mit dem kostenlosen Tool UNetbootin erstellt werden.

Ist die CD gebrannt, startet Ihr den Rechner mit der CD im Laufwerk neu; beim Booten begrüßt Euch sofort der Mint-Startbildschirm, und einige wenige Minuten später habt Ihr einen (noch englischsprachigen) Linux-Desktop auf dem Bildschirm (Falls der Rechner nicht von der CD bootet, muss zunächst im BIOS die Boot-Reihenfolge korrekt eingestellt werden; zieht hierfür im Zweifelsfall am Besten das Handbuch Eures Mainboards zu Rat). Dieser Linux-Desktop ist nun natürlich noch nicht auf der Festplatte installiert, sondern läuft vollständig im Arbeitsspeicher, bzw. von der CD. Die tatsächliche Installation startet Ihr mit einem Doppelklick auf das CD-Icon mit der Beschriftung „Install Linux Mint„.

linux festplattenspeicher zuweisen
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Der Installer überprüft zunächst die Systemvoraussetzungen. Falls auf dem Rechner bereits ein Betriebssystem installiert ist, bietet die Installationsroutine uns an, Linux entweder parallel zu diesem Betriebssystem zu installieren, oder die Festplatte komplett einzustampfen. Erfahrene Benutzer können die Partitionstabelle auch von Hand bearbeiten. Das solltet Ihr als Anfänger jedoch noch nicht ausprobieren. In den folgenden Installationsschritten werdet Ihr außerdem nach dem gewünschten Tastaturlayout sowie der Zeitzone gefragt; außerdem müsst Ihr ein erstes Benutzerkonto anlegen. Mint bietet uns sogar an, das Verzeichnis mit den Benutzerdaten verschlüsselt auf der Festplatte anzulegen – eine Option, die Ihr bei Windows vergeblich suchen werdet.

Nach der Installation kann der Rechner neu gestartet und die CD aus dem Laufwerk entfernt werden. Falls Mint parallel zu einer bestehenden Windows-Installation installiert wurde, kann nun das zu startende Betriebssystem ausgewählt werden, andernfalls startet Linux direkt.

Konfiguration

linux konfiguration

Nach dem Start könnt Ihr Euch mit dem bei der Installation angelegten Benutzer anmelden. Direkt nach der Installation solltet Ihr zunächst eine Aktualisierung der installierten Software vornehmen. In der unteren linken Ecke des Desktops verbirgt sich ein an Windows angelehntes Startmenü. Über die Schaltfläche „Kontrollzentrum“ können wir die Systemsteuerung öffnen, und anschließend im Bereich „System“ die „Aktualisierungverwaltung“ starten. Das System ermittelt automatisch, welche Programme aktualisiert werden müssen. Mit einem Klick auf „Aktualisierungen installieren“ können wir die Updates herunterladen und installieren. Die Aktualisierungverwaltung meldet sich übrigens auch von alleine beim Benutzer, falls es neue Aktualisierungen gibt.

Ebenfalls im Kontrollzentrum im Bereich „System“ finden wir den Menüpunkt „Sprachunterstützung„. Falls Sie bei der Installation die Deutsche Sprache ausgewählt haben, finden Sie diese hier bereits vorausgewählt. Das System überprüft weiterhin, ob die Übersetzungen des Systems auf dem aktuellen Stand sind und lädt gegebenenfalls neue Übersetzung herunter. Im Kontrollzentrum finden sich viele weitere Einstellungsmöglichkeiten. All diese umfassend zu erklären, würde an dieser Stelle leider den Rahmen sprengen. Unter anderem könnt Ihr hier beispielsweise das Aussehen des Desktops Euren Wünschen anpassen, weitere Benutzer anlegen, usw.

Verwendung der Standard-Software

Standard-Software unter Linux Mint

Ein häufiges Argument gegen den Einsatz von Linux ist die eingeschränkte Auswahl an Software. Tatsächlich jedoch steht auch unter Linux eine große Auswahl an Software zur Verfügung. Auch wenn die von Windows gewohnten Anwendungen – seien es Büroanwendungen wie Microsoft Office, oder Unterhaltungsanwendungen wie iTunes – unter Linux nicht zur Verfügung stehen, gibt es eine umfassende Auswahl an freien Alternativen:

  • Office-Pakete: Naturgemäß steht Microsoft Office unter Linux nicht zur Verfügung. Mint Linux bietet jedoch mit dem LibreOffice-Paket (ein Abkömmling des OpenOffice.org-Pakets) ein nahezu ebenso mächtiges Werkzeug an (welches es übrigens auch für Windows und MacOS gibt). Von der Handhabung ist LibreOffice eher an klassischen MS-Office-Versionen (vor allem Office 2003) orientiert. Darüber hinaus ist LibreOffice vollkommen kompatibel zu Microsoft Office; bestehende Word- oder Excel-Dateien können also problemlos weiter benutzt werden.
  • Internet: Als Alternativen für den Internet Explorer und Outlook stehen unter Linux beispielsweise Mozilla Firefox und Mozilla Thunderbird zur Verfügung (die es beide bekanntermaßen natürlich auch für Windows und MacOS gibt). Andere Alternativen wären beispielsweise Google Chrome oder Konquerer als Browser und Evolution als E-Mail-Client. Wer auch in Zeiten von Facebook und Twitter noch hin und wieder auf Instant Messaging zurück greifen möchte, ist mit dem Client „Pidgin“ gut bedient; dieser kommt mit einer Vielzahl von Protokollen, wie etwa ICQ, MSN oder Google Talk zurecht; auch Facebook wird unterstützt.
  • Multimedia: Wer unter Windows oder MacOS an die Benutzung des Windows Media Players oder iTunes gewohnt ist, wird keine Schwierigkeiten haben, sich mit dem Medienplayer „Banshee“ zurecht zu finden – selbst der iPod kann ohne Probleme angeschlossen werden. Für DVDs und Videos steht das Abspiel-Programm „Totem“ zur Verfügung.

Installation neuer Software

installation neuer software

Falls die installierte Standard-Software den Ansprüchen eines Tages nicht mehr gerecht werden sollte, können selbstverständlich jederzeit neue Anwendungen nachinstalliert werden. Linux Mint bietet hierfür ein komfortabel zu bedienendes und gleichzeitig mächtiges Softwareverwaltungs-Programm an. Dieses findet sich im Startmenü unter der Bezeichnung „Softwareverwaltung„. Hier werden zur Zeit ca. 33.000 verschiedene Programme zur Installation angeboten, die übersichtlich in durchsuchbaren Kategorien organisiert sind. Diese werden vom Distributor auf einem zentralen Download-Server angeboten und unterliegen auch gleichzeitig einer Versionsverwaltung. Falls neue Versionen der auswählten Software zur Verfügung stehen, werden diese automatisch über die Aktualisierungsverwaltung angeboten – vorbei die Zeiten, in denen man sich unter Windows die gewünschte Software manuell von der Herstellerseite herunterladen musste, und dann auch noch zusehen musste, dass die gesamte Software bloß auf aktuellem Versionsstand blieb.

Ausblick

Leider bietet ein solcher Blog-Artikel viel zu wenig Platz, um einen wirklich umfassenden Einblick in die Linux-Welt zu bieten. Als weiteren Lesestoff kann ich die offizielle deutschsprachige Dokumentation (auch verfügbar in Englisch) empfehlen. Da Linux Mint auf der Distribution „Ubuntu“ basiert, eignet sich auch das deutschsprachige Ubuntu-Users-Wiki als Nachschlagewerk.

Nichtsdestotrotz will der vollständige Umstieg von Windows oder MacOS auf Linux stets wohl überlegt sein. Dem, der sich noch nicht sicher ist, sei an dieser Stelle geraten, Linux zunächst einmal parallel zu einer Windows-Installation zu installieren und dann in Ruhe zu testen. Falls es übrigens Programme gibt, auf die Ihr auf keinen Fall verzichten könnt, die jedoch nicht unter Linux laufen, ist dies übrigens auch kein Hindernis: Mit der Kompatibilitätsschicht Wine können zahlreiche Windows-Anwendungen auch unter Linux betrieben werden. Falls gar nichts hilft, können auch Virtualisierungslösungen wie VMWare oder VirtualBox die Lösung sein.

Kommentare

  1. Patrick am

    Zugegeben Microsoft Office ist nicht 100% kompatibel mit LibreOffice.
    Dafür sort natürlich Microsoft.
    Andernseits gibt es auch viele die behaupten ich kann „Word“ bzw. „Excel“. Im einzelnen meine ich natürlich die Formatierungen, die sind in den meisten Fällen „grottig“ von den Usern gemacht. Somit kann das Ergebnis (Anzeige) abweichen Windows gegenüber Linux, aber auch Mac :-) . So streng darf man aber mit Linux und den Programmen nicht umgehen.
    Es ist eben etwas Anders.
    Ich selbst benutze seit mehr als 15 Jahren Linux und vermisse nichts.

    Antworten
  2. Michael am

    Also der Artikel hat mich dazu bewogen, nach langer Zeit Linux noch mal zu testen.

    Also das Minu 14.1 runtergeladen und mit der Live DVD gestartet. Sieht toll aus. Dann Installieren wir mal. Vorher noch eine vorhandene Partition verkleinert (Was macht ein User der nicht weiss was das ist) und los.

    Zitat:“ bietet die Installationsroutine uns an, Linux entweder parallel zu diesem Betriebssystem zu installieren“

    Doch da war schon schluss. Win7 wurde nicht erkannt. Also von Hand weiter gemacht. Laut den ganzen Anleitungen, ubuntuusers usw. versucht was hin zu bekommen. Installation fertig. Kein Bootmenu für Linux beim Start!

    Also nochmal runter und Partitionen mal anders gemacht. Wow, ein Bootmenu aber wieder kein Win7.

    Linux mag ja mittlerweile ganz toll sein, aber als alternative immer noch nicht für den normalen User gedacht. Selbst der User mit besseren Kenntnissen kommt nach 4 Stunden zu dem Ergebnis. Was soll ich mit dem Kram.

    Achso:

    Zitat: „Darüber hinaus ist LibreOffice vollkommen kompatibel zu Microsoft Office; bestehende Word- oder Excel-Dateien können also problemlos weiter benutzt werden.“

    Ich habe genau 3 etwas einfachere xlsx Dateien getestet. Kompatibilität sieht anders aus. Wird zwar schon seit Jahres erzählt aber es ist leider nichts dran an dem Argument.

    Antworten
  3. cm am

    Ich würde auch gern von Windows 7 mich verabschieden !
    Nur fällt mir die Entscheidung sehr schwer auf welches Linux ich umsteigen sollte.

    Habe einen i7 2600K mit 4 GB RAM 1666MHz
    und bin kein Spieler –also ich zocke nicht am PC Spiele

    Ich will auch die Befehle alle anfangen zu lernen in der Linux console.
    Wer mich beraten kann – gerne –

    danke

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  4. Christian Hennecke am

    „Darüber hinaus ist LibreOffice vollkommen kompatibel zu Microsoft Office; bestehende Word- oder Excel-Dateien können also problemlos weiter benutzt werden.“

    Solche Aussagen erweisen Linux einen echten Bärendienst. Diese Versprechung kann zumindest im Bereich Textverarbeitung schlichtweg nicht eingehalten werden und hinterläßt frustrierte User, die mit „Linux taugt nichts“ im Kopf wieder zu Windows zurückkehren.

    Der Austausch mag unter Optimalbedingungen weitgehend funktionieren. Dazu müssen aber absolut stringent Formatvorlagen statt Individualformatierungen verwendet werden. Die Erfahrung zeigt aber, daß der Durchschnittsbenutzer meist noch nicht einmal weiß, was das eigentlich ist. Lassen Sie mal das Personal in einer gemischten Umgebung zusammen an Word-Dokumenten arbeiten.

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  5. Wolfgang Wagner am

    Sobald es die Adobe Creative Suite auch für Linux gibt, würde mich nichts vom Umstieg abhalten. Aber bis dahin ist Linux leider, leider keine Alternative für mich.

    Antworten
  6. Benny am

    Bei mir kommt Linux regelmäßig auf ältere Systeme drauf, bei denen Windoof mit den Ressourcen nicht mehr klar kommt.

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