Willkommenskultur digital: Das 5. WelcomeCamp für MutbürgerInnen

Zum fünften Mal Willkommen. Dieses Mal digital. Für die Macher des WelcomeCamps war klar: Wir lassen unser Barcamp für Willkommenskultur und Integration nicht aufgrund der Corona-Krise ausfallen. Aber wie plant, organisiert und veranstaltet man solch ein Event remote, das von persönlichem Austausch und Mitgestaltung der Teilnehmer lebt? Diese und weitere Fragen beantwortet uns Bastian Koch, einer der Mitbegründer*innen des WelcomeCamps.
 

Hallo Bastian, stell dich zunächst gerne vor: Wer bist du? Und inwiefern trägst du zum WelcomeCamp bei?

Mein Name ist Bastian Koch. Ich bin Unternehmer, Berater und Dozent für Themen rund um digitale Kommunikation und Social Media. Anfang 2016 war ich mit vielen Menschen aus meinem Netzwerk der Meinung, dass wir uns praktisch und nachhaltig für eine tolerante sowie weltoffene Gesellschaft einsetzen müssen. Daraus ist das WelcomeCamp entstanden.

Bastian Koch über das erste digitale WelcomeCamp 2020.

Foto: Dominik Butzmann

Das diesjährige Motto: „Hallo #MutbürgerInnen!“. Was hat euch zu ebendiesem inspiriert? 

Mut ist ein starkes Wort. Jeder hat sofort ein Bild oder einen bestimmten Menschen vor Augen: die Eltern oder Großeltern mit ihrer Lebensleistung, Familien, die vor Krankheiten und Krieg in ein neues Leben fliehen müssen, Seenotretter, Freedomfighter und Grundgesetzeshüter – speziell in diesen Zeiten auch Pflege- sowie Lehrkräfte. Einfach all jene, die sich trotz der aktuellen Herausforderungen für andere einsetzen. Diesen Menschen möchten wir eine Plattform geben, um sich einzubringen, auszutauschen und inspirieren zu lassen.

Was genau soll beim 5. WelcomeCamp im Vordergrund stehen? Welche Themen sind euch wichtig?

Zum einen das persönliche, meist ehrenamtliche Engagement, ohne das wir als Gesellschaft vor ganz anderen Herausforderungen stehen würden. Zum anderen ist uns der Blick über den Tellerrand bzw. die Landes- sowie Kontinentalgrenzen hinaus wichtig. Für uns als Team sind unsere Freiheit, die finanzielle und medizinische Grundversorgung sowie das Leben im Rechtsstaat Privilegien, die wir sinnvoll einsetzen müssen.

Dieses Jahr findet das WelcomeCamp zum ersten Mal digital statt. Welche Herausforderungen sind euch bei den Vorbereitungen begegnet und welche erwartet ihr bei der Veranstaltung selbst?

Die größte Herausforderung war die Planungsunsicherheit. Diese galt bis Anfang April, auch wenn wir bereits im März mit dem Gedanken gespielt haben, eine digitale Version des Barcamps realisieren zu müssen. Mit der menschenunwürdigen Situation im Flüchtlingslager Moria und allerspätestens mit den Anschlägen in Hanau war für uns klar, dass ein Ausfall oder eine Verschiebung des WelcomeCamps keine Option ist und wir eine Alternative benötigen. Dadurch sind wir in der Planung eine Zeit lang zweigleisig gefahren. Das bedeutete doppelten Aufwand. Außerdem erlangten wir die Erkenntnis, dass mindestens die Hälfte unserer Ideen nicht umgesetzt wird. Zumindest nicht in diesem Jahr.


Was die Veranstaltung selbst betrifft, gibt es in diesem Jahr so gut wie keine eigenen Erfahrungen, keine Blaupause für den Ablauf einer solchen digitalen Konferenz. Es ist, wie beim ersten WelcomeCamp 2016: ein Experiment. Genau dieser Punkt lässt mich entspannt auf den 6. Juni blicken. Ich weiß, dass das Team mit der Unterstützung vom veranstaltenden Verein Gesicht Zeigen! und unseren Kooperationspartner*innen wie Mittwald sowie der Teilnehmenden trotz aller technischen Schwierigkeiten, die es geben wird, das WelcomeCamp zu einem denk- und erinnerungswürdigen Event machen werden.

WelcomeCamp 2019

In den vergangenen Jahren war es eine Veranstaltung, die vom Austausch der Teilnehmer gelebt hat. Wie gestaltet sich das dieses Jahr? Wie können sie sich einbringen?

Um Menschen und Organisationen für das WelcomeCamp zu begeistern, ist es wichtig, dass wir unsere Haltung und Vision nicht nur in unserem Netzwerk fühlen oder interpretieren, sondern auch teilen. Dafür stehen bspw. unsere Dauergäste von der UNO-Flüchtlingshilfe, dem Verband der deutschen Volkshochschulen oder der Plattform GoVolunteer. Auch neue Teilnehmer*innen, wie die Kampagne #LeaveNoOneBehind, die Organisation SOS Mediterranee oder die Initiative „freund statt fremd“ aus Bamberg teilen unsere Haltung. 


Zudem ist vor allem der Austausch untereinander wichtig. Die Teilnehmer*innen haben unterschiedliche digitale Kenntnisse in Bezug auf Tools wie Slack, Zoom oder Telegram. Wir werden darauf angewiesen sein, dass sie sich gegenseitig unterstützen und geduldig miteinander umgehen. Unseren Teil tragen wir bei, indem wir auf unserem Blog erklären, wofür wir welche Tools einsetzen. Auf Padlet.com halten wir auf einer digitalen Pinnwand das persönliche Interesse unserer Besucher*innen bezogen auf inhaltliche und technische Fragen fest.

 

Der dritte Punkt ist die Unterstützung des Teams während der Veranstaltung, was deutlich über den technischen Support untereinander hinausgeht. Wir suchen für die digitalen Sessions Community Manager, die sowohl den Chat mitmoderieren als auch den Sessiongeber*innen Hilfe anbieten, was Ablauf, Kommunikation und Dokumentation einzelner Beiträge betrifft.

Wie löst ihr die Themenfindung für die Sessions?

Die Themenvorschläge, Angebote und Nachfragen kommen von den Teilnehmer*innen selbst. Vorab im Padlet oder eben live in einem virtuellen Sessionpitch. Durch das Feedback im Plenum befüllen wir das Sessionboard und ordnen die Vorschläge digitalen Konferenzräumen zu.

Wie finden die Sessions statt? 

Eine Session dauert 45 Minuten und es werden mehrere gleichzeitig stattfinden, zwischen denen die Teilnehmer*innen hin- und herschalten können. Wir kümmern uns darum, dass die Technik funktioniert und sich die Sessionholder auf ihren Raum inkl. Themen, Menschen sowie Moderation konzentrieren können. Die Räume werden über Zoom teilweise exklusiv für die Teilnehmenden gestreamed.Ausgewählte Sessions sollen auch auf Twitch stattfinden. Eine weitere Besonderheit: Wir werden das Plenum, also die zentrale Anlaufstelle für alle Barcamper*innen durchgehend bespielen. Damit möchten wir den digital anwesenden Menschen Orientierung bzgl. Technik und Ablauf zu den einzelnen Streams und der inhaltlichen Vielfalt geben. Das werden Interviews sein, Eindrücke der Teilnehmenden oder interaktive Workouts.

Verrätst du uns abschließend, auf was für Überraschungen sich die Teilnehmer freuen können?

Alles wird sehr überraschend, spannend und neu sein – auch für uns – und sollte doch reichen, um sich kostenlos anzumelden. Eine Überraschung kann ich tatsächlich bekannt geben. Das WelcomeCamp ist für die engagierten Teilnehmer*innen mit unterschiedlichsten Hintergründen bekannt. Auch das kulturelle Rahmenprogramm in Form von Live-Performances (Drumline, Graffiti, Street- und Tapeart) sowie Ausstellungen waren bisher ein fester Bestandteil. Das geht bei einer digitalen Veranstaltung … auch. In diesem Jahr freuen wir uns, mit dem Cartoonisten@kriegundfreitag eine exklusive und erstmals virtuelle Ausstellung seiner analogen Menschenkette zu präsentieren. Diese ist 2018 entstanden, als der Künstler den Flüchtlingsrat in Chemnitz unterstützen wollte und gegen eine Spende von mehreren Tausend Fans, jeden dieser Unterstützer zeichnete. Die Überraschung ist also all das, worauf wir trotz eines digitalen WelcomeCamps nicht verzichten werden.

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