Recap: New Work Sessions in Bielefeld – Ein Ausflug in die neue Arbeitswelt

„New Work“ ist heutzutage in aller Munde. Aber was bedeutet die neue Arbeitswelt eigentlich? Ist sie wirklich so neu? Schließlich entstand das Wort mit Frithjof Bergmann schon in den 70er Jahren. Was hängt mit New Work alles zusammen – lediglich eine neue Arbeitsweise oder ist es eigentlich viel mehr? Wie beeinflusst es uns persönlich und wie unseren Alltag? All diese und noch viele weitere Fragen wurden auf den XING New Work Sessions am vergangenen Dienstag in den Räumen der SchücoArena in Bielefeld diskutiert und ein Stück weit beantwortet.

  1. Das Leben und Arbeiten in der digitalen Welt
  2. New Work ist ein persönlicher Reifeprozess
  3. Wir sollten auf unsere (innere) Haltung achten!
  4. Warum New Work bei uns Druck erzeugt und wie wir damit umgehen können
  5. New Work erfordert New Pay  
  6. Drei Führungskräfte über ihre Rolle

Das Leben und Arbeiten in der digitalen Welt

Nach einem leckeren Frühstück und dem ersten Austausch wurde die Veranstaltung von Jennifer Lachman, Chefredakteurin bei XING, eröffnet. Die Keynote des Tages hielt Neurobiologe, Hirnforscher und Autor Dr. Bernd Hufnagel. In seinem ersten Vortrag sprach der Österreicher über das Leben und Arbeiten in der digitalen Welt. Er betonte, dass es wichtig sei, dass wir alle, die getrieben sind von der Arbeit, lernen müssen Tagträume zu haben. Wir sollten viel öfter einfach für einen Moment vor dem Fenster sitzen und ins Blaue oder Grüne hinausschauen und einfach vor uns her träumen. Denn nur dadurch seien wir noch richtig aufnahmefähig und könnten unserem Gegenüber richtig zuhören, und würden zu uns selbst finden. Im Allgemeinen sollten wir darauf achten, dass unser Stresspegel nicht zu hoch ist. 

Nach seiner Keynote ging Hufnagel in seiner Session noch weiter auf seinen Vortrag ein und beantwortete Fragen. Beispielsweise, wie man mit seinem Team zu einem gemeinsamen Ziel kommt, auch wenn vorerst nicht alle Mitglieder dasselbe Ziel vor Augen haben bzw. nicht mitziehen wollen. Seine Antwort: Man sollte das Team an Entscheidungen teilhaben lassen und das Ziel gemeinsam definieren. Hier sprach die Partizipation und den Kohärenzsinn an. Beim Letzteren geht es vor allem um das Verstehen, Beteiligen und Bewältigen, um so eine positive Grundhaltung sowie ein gewisses Vertrauen zu schaffen

New Work ist ein persönlicher Reifeprozess

An den oben genannten Stresspegel knüpfte im weiteren Sinne auch Dr. Joana Breidenbach an. Sie ist Gründerin der Hilfsplattform betterplace.org und erklärte in ihrem Vortrag, der den Titel „New Work needs Inner Work“ trug, dass diese neue Art zu arbeiten viel damit zu tun habe, zunächst an und mit sich zu arbeiten. „Für mich ist New Work ein persönlicher Reifeprozess“, sagte sie. Die Persönlichkeit müsse wachsen, um für neue Arbeitsweisen und -welten gewappnet zu sein. Um dieses Wachstum zu fördern, sollten wir von der Komfort- in die Innovationszone, so Breidenbach.

In diesem Zusammenhang sprach sie vom AQAL-Modell. Hierbei geht es sowohl um die einzelnen Individuen als auch um das Unternehmenssystem im Innen und Außen. Das Modell zeigt die vier Schwerpunkte Haltung und Psyche (Einstellung, Bewusstsein), Verhalten und Fähigkeiten, Kultur und Kommunikation (Vision, Werte, Wir-Gefühl) und Strukturen und Prozesse auf – diese Parteien müssten nach Breidenbach miteinander funktionieren.

Joana Breidenbach über das AQAL-Modell in Bezug auf New Work.

Wir sollten auf unsere (innere) Haltung achten!

Zu New Work gehört nicht nur die mentale Arbeit, sondern auch die physische, die uns im Umkehrschluss in unserem Inneren guttut. Aus diesem Grund gab es nach einem vielseitigen Mittagessen eine kleine, erheiternde Sporteinheit mit Herbert Grönemeyers Bruder Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer. Er ist Mediziner und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Körperteil, der uns vielsitzenden Menschen am meisten beklagt: mit dem Rücken. Neben den interessanten, einfachen Übungen für den Alltag zeigte er uns auf, was eine (innere) Haltung ausmache. Denn rund 40 % der Menschen haben heutzutage Rückenschmerzen und 22 % der Frauen sowie 15 % der Männer sogar chronisch. Doch wie eben schon gesagt: Sowohl die physische als auch die mentale Arbeit ist wichtig. Denn die Folgen, die enormer Arbeitsstress verursacht, möchte vermutlich keiner haben:

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer zeigt die Folgen von enormen Arbeitsstress auf.

Warum New Work bei uns Druck erzeugt und wie wir damit umgehen können

Und das war auch Thema der dritten Session „Druck erzeugt viel Durchfall, aber wenig Diamanten“. Dozent, Speaker und YouTuber Dr. Daniel Hunold hat über die Nachteile von New Work gesprochen. Laut ihm würden wir alle (durch New Work) in unserem Arbeitsalltag immer wieder mit neuen Ideen konfrontiert werden und eben das erzeuge viel (Leistungs-)Druck. Er zeigte dabei fünf Arten von Druck auf:

1. Zeit – täglichen Deadlines, die wir einhalten wollen/müssen

2. gesellschaftlicher Druck: Wir haben das Gefühl, dass wir immer perfekt sein müssten, da andere das von uns erwarten. „Selbst die ‚Unperfektheit‘ wird geplant, wie z. B. auf Instagram, wo Influencer meinen, sie müssten authentische Bilder machen, die aber vorher komplett geplant waren“, erklärt Hunold.

3. die „besondere Spezies“ – die Chefs

4. Familie, die (vermeintlichen) Erwartungen der Eltern, Großeltern

5.  New Work: Hunold stellte die Frage in den Raum, ob die Generation XYZ überhaupt schon bereit für New Work sei.

Er zeigte auch auf, wie man dem Stress und Druck entgegenwirken kann. Und zwar mit der Lernfreude. Diese fungiert hier als Schutzschild. Haben wir Freude am Lernen, kompensieren wir den Druck damit.

Aber auch Hunold sagte, dass man an sich arbeiten solle und mit sich im Reinen sein solle. Es sei wichtig, sich Zeit für sich zu nehmen, um den Druck rauszunehmen.

Lernfreude kompensiert laut Dr. Daniel Hunold den Druck.

New Work erfordert New Pay  

Das letzte Thema war ein völlig anders: Es ging um das Thema Geld. Organisationsbegleiter, Autor und Speaker Sven Franke zeigte in seinem Vortrag „New Work braucht New Pay“ verschiedene Vergütungsmodelle – vom Einheitsgehalt über eine Gehaltsformel bis hin zum selbst gewählten Gehalt. Denn seiner Meinung nach zeige es sich am deutlichsten, wie ernst es Unternehmen mit New Work sei, wenn es um das Thema Gehalt ginge. Aus diesem Grund gab er Einblicke in der Gehaltswelt verschiedener „New Pay Pioniere“ und zeigte auf, welchen Weg diese jeweils gegangen sind.

Sven Franke bei den Xing New Work Sessions in Bielefeld über die verschiedenen Vergütungsmodelle.

Drei Führungskräfte über ihre Rolle

Zum Abschluss folgte ein Panel mit der Fragestellung „Wer führt denn jetzt? – die Rolle von Führung im digitalen Zeitalter“. Dr. Julia Borggräfe (BMAS), Christoph Plass (UNITY) und Lasse Rheingans (Rheingans Digital Enabler) haben sich zu dieser Fragestellung geäußert. Alle waren sich einig: Die Kompetenz jedes einzelnen Mitarbeiters sollte im Vordergrund stehen, um so mehr Eigenverantwortung zu schaffen. „Wir müssen gemeinsam ein Bild davon haben, was passieren soll“, erklärt Borggräfe und schließt damit perfekt an den Vortrag von Dr. Bernd Hufnagel an.

Nun zu euch: Was ist eure Meinung zu New Work? Habt ihr eine Vorstellung davon, was das Thema (für euch) bedeutet? Teilt eure Meinung gerne in Form eines Kommentars mit uns.

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