Flat Design vs. Skeuomorphismus – Geschmackssache?

Flat Design vs. Skeuomorphismus – eine Frage des Geschmacks?

Skeuo- was? Wenn Ihr Euch beim Lesen dieses Titels diese Frage stellt, so habt Ihr eine der interessantesten Debatten der letzten Monate verpasst. Was also ist Skeuomorphismus, was hat es mit dem „Kampf“ Apple gegen Microsoft zu tun und wieso solltet Ihr Euch mit diesem Thema beschäftigen?

Was ist Skeuomorphismus?

Der Begriff Skeuomorphismus bezeichnet, frei von Wikipedia übersetzt, ein Ornament oder Design, welches an ein anderes Objekt angebracht wird, um ein anderes Material oder eine Technik nachzuahmen. Gut, nach diesem schweren Einstieg die leichte Übersetzung: es ist die Nachahmung von einem natürlichen Design.

Im Falle Computer- und Webdesign bezieht sich Skeuomorphismus konkret auf detailreiche Texturen und Naturnähe. Am Besten zu verstehen ist dies sicherlich am Beispiel Apple. Steve Jobs lebte über Jahre seine Vorliebe zu bestickten Ledertexturen in iPhone Apps aus. Die Textur der Kalender App iCal soll von den Ledersitzen seines Privatjets stammen, so ein ehemaliger Chef UI Designer.

Skeuomorphismus
In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung der Welt war vor einigen Jahren das Bedürfnis groß, das Vertraute auf die neuen Medien zu übertragen. Computer waren nicht mehr nur für Nerds und Büroangestellte, sondern für die breite Masse, sie sollten ansprechend gestaltet sein und so leicht verständlich, dass sie jeder nutzen konnte.

Dies gipfelte schließlich in digitalen Notizbüchern, die aussahen wie Ringbücher, und Sprachaufnahme-Apps mit Mikrofon auf dem Bildschirm. Auf den ersten Blick wirkt es ja auch lustig, wenn Oma in das Mikrofon auf dem Bildschirm spricht, statt in das des Telefons … doch hier verbirgt sich auch das große Problem dieses Stils.

Schönheit auf Kosten des Fortschritts

Oma ist nicht dumm – aber das Mikro auf dem Bildschirm bedeutet, streng genommen, „sprich in die Mikrofonkapsel“. Der Wunsch mehr Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen war schnell vergessen. Zynische Designer sagen, es gehe nur noch darum, zu beweisen, wer die Realität am perfektesten wiedergeben könne. Stunden wurden mit Lesen von Tutorials verbracht, nur um am Schluss auch den letzten Pixel perfekt zu setzen.

Was dabei auf der Strecke blieb war der Drang, neue Dinge auszuprobieren. Fest eingefahrene Design-Muster wurden stoisch befolgt, da sie sich gut verkauften. Die Frage, ob es sinnvoll ist, das Mikrofon auf dem Bildschirm aussehen zu lassen wie ein echtes, wurde nicht gestellt. Bis Windows letztes Jahr mit der Modern UI (ehemals Metro UI) aufwartete. Bei der Vorstellung dieser Oberfläche erntete Microsoft zunächst viel Spott, bis zur endgültigen Veröffentlichung hatte sich dieser jedoch weitgehend gelegt, von diesem Zeitpunkt an gab es zwei Lager.

Windows 8

Macht Flat Design das Leben schöner?

Ob Flat Design oder Skeuomorphismus, dies bleibt letztendlich Geschmacksfrage. Die Stimmen, die nach einer Erneuerung von Apples UI’s verlangen, werden jedoch immer mehr. Klar ist jedoch, das neue Design erspart einiges an Arbeit, Buttons werden flach und können allein durch CSS gestaltet werden.

Der Fokus verschiebt sich auf ansprechende Schriften und ein leicht nutzbares, flexibles Design – was jedoch nicht heißen darf, dass Webseiten nun weniger Arbeit bedeuten. Aber statt Stunden an einem kleinen Designelement zu verbringen, kann nun mehr Zeit in die Usability investiert werden. Doch auch hier liegt die Gefahr, wieder in alte Muster zu verfallen. Denn in der ganzen Debatte wird ein wichtiger Aspekt kaum beachtet.

Flat Design oder Skeuomorphismus?

Bei der ganzen Diskussion, welches Design nun schöner, weniger angestaubt, oder moderner ist, verliert sich allerdings das eigentliche Problem. Sacha Greif trifft es in seinem Blogartikel sehr gut, eigentlich sollte die Debatte nicht Flat Design vs. Skeuomorphismus, Microsoft gegen Apple, heißen. Sie müsste viel eher Realismus gegen Freiheit thematisieren.

Um Sacha Greifs Beispiel aufzugreifen, so gibt es Taschenrechner in Flat Design und Skeuomorphismus – doch beide beschränken die Art, wie wir ihn nutzen können. Sie sehen aus wie Taschenrechner, bedienen sich wie Taschenrechner … und erlauben uns nicht, Textaufgaben zu lösen, indem wir diese einfach abtippen. Wir setzen uns selbst Grenzen, die wir nicht bräuchten, nur um uns heimischer zu fühlen. Wirklich innovativ können wir dadurch nicht werden.

Welches Design ein Produkt am Ende hat, sollte also egal sein, solange es die Nutzung unterstützt. Wenn man darüber stolpert, dass der Button nur An oder Aus zulässt, so sollte man sich die Frage stellen: „Wieso nutze ich nicht die unendlichen Möglichkeiten dazwischen, die mir der Computer bietet?“

Kommentare

  1. Gravatar
    Florian Wentzel via Facebook am

    Also diese Frage mit Apple v.s. Microsoft zu untermauern finde ich geht zu weit, zumindest waren ja bei Apple der naturalistische Stil stark von Personen geprägt … Und an Vielfalt gewinnen wir alle – eine. Gegensatz sehe ich da nicht.

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