Klimaneutral arbeiten – aber wie? Mittwald und BASIC thinking im Interview

Immer mehr Unternehmen setzen sich das Ziel, nachhaltiger oder sogar klimaneutral zu werden. Doch was bedeutet das? Was muss man dafür tun und welche Herausforderungen können einem begegnen? Mittwald und BASIC thinking wissen mehr dazu. Denn sie haben sich auf den Weg zur Klimaneutralität gemacht. 
 

Hey Tobi, eurem Artikel nach arbeitet die BASIC thinking GmbH klimaneutral. Was bedeutet das für euch?

Die einfache Antwort: CO2-neutral arbeiten. Ausführlicher erklärt, versuchen wir, unsere Bestrebungen noch deutlicher zu machen. Wir setzen schon seit Jahren auf klimaschonende Arbeitsweisen. Beispielsweise verzichten wir fast gänzlich auf Flugreisen und per Bahn reisen wir nur, wenn es gar nicht anders geht. Mit der Zertifizierung durch „Leaders for Climate Action“ als klimaneutrales Unternehmen wollten wir es jetzt auch offiziell machen und unsere vielen Millionen Leser*innen inspirieren, sich uns anzuschließen.

Mittwald ist ja auch schon sehr aktiv. Carina, erzähl mal, was wir bisher gemacht haben und machen wollen.

Als inhabergeführtes Familienunternehmen sind Verantwortung und nachhaltiges/langfristiges Handeln grundlegende Werte von uns. Bspw. nutzen wir seit dem Bau unseres Rechenzentrums die Abwärme für die Beheizung unserer Bürogebäude. Nun wollen wir diesen zum Teil schon immer da gewesen Ansatz noch greifbarer und sichtbarer machen. Ende letzten Jahres hat sich unsere „Klima-Taskforce“ gegründet – ein interner Steuerungskreis, bestehend aus interdisziplinären Teams.

Seitdem ist viel passiert. Wir haben Ackerflächen zur Aufforstung und eine Waldfläche in Espelkamp gekauft. Vor Kurzem investierten wir in neue Klimatechnik, mit der wir unser Rechenzentrum deutlich länger mit indirekter Freikühlung klimatisieren. Auch prüfen wir gerade, wie wir durch Photovoltaik oder Windkraft Energie selbst produzieren können.

 

Außerdem haben wir Pool-Fahrräder angeschafft und eine E-Ladesäule auf unserem Firmenparkplatz installiert. Damit können unser Pool-E-Auto und die E-Autos der Mitarbeiter aufgeladen werden.

Tobi, wie seid ihr vorgegangen? Welche konkreten Maßnahmen habt ihr getroffen?

Wir haben zunächst mithilfe von „Leaders for Climate Action“ (LfCA) berechnet, wie viel CO2 wir als Unternehmen ausstoßen. Das ist wichtig, weil man sonst nur nach Gefühl optimieren kann. Da wir auf vieles verzichten, was klimaschädlich ist und seit Gründung unseres Unternehmens auf Büros verzichten, war der Wert bereits extrem niedrig. Mit einigen Maßnahmen versuchen wir diesen Wert jetzt noch weiter zu drücken. Den Rest haben wir  mit Atmosfair kompensiert und das auch von „LfCA“  überprüfen lassen.

Was kann ich mir unter dem Begriff „Atmosfair“ vorstellen?

Atmosfair ist eine gemeinnützige Klimaschutzorganisation aus Berlin. Sie setzt Projekte zur Kompensation von CO2-Emissionen nach dem „Gold Standard Microscale“ um, die wir zur Kompensation der restlichen Emissionen genutzt haben.

Gab es hierbei Hürden?

Klimaschutz tut nicht weh. Wer das behauptet, sucht Ausreden. Wirkliche Hürden gab es entsprechend keine. Kleinere Herausforderungen treten bei solch einem Prozess aber immer auf. Zum Beispiel, dass die Berechnung des CO2-Ausstoßes nur genau das betrifft, was unser Unternehmen wirklich verursacht. Da wir keine Büros unterhalten, ist hier der Wert bei null. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Unsere Mitarbeiter sitzen ja trotzdem Zuhause und haben Lichter an, laden ihre Laptops oder machen sich etwas zu essen. Daher haben wir freiwillig den 10-fachen Betrag dessen kompensiert, was für uns berechnet wurde. Und werden das auch künftig so tun.

Carina, auch Mittwald stellt sich derzeitig manchen Herausforderungen. Magst du beschreiben, welche das sind?

Auch wir möchten unseren CO2-Fußabdruck kennen. Daher haben wir es selbst in die Hand genommen, diesenzu ermitteln. Wir bekommen so ein Verständnis davon, wo unsere Hauptemittenten liegen und an welchen Punkten Einsparungspotenziale liegen. Natürlich war die Berechnungsthematik erst einmal etwas ganz Neues für uns, sodass wir uns intensiv einarbeiten mussten: Wie kleinteilig und tief betrachten wir bestimmte Punkte aus den drei Emissionskategorien (Scopes) nach dem Greenhouse Gas Protocol? Im Anschluss haben wir entscheiden, welche Themen für uns relevant sind. Dabei unterstützte uns die Energieagentur NRW.

 

Auch eine geeignete Falsche für ein Aufforstungsprojekt zu finden, erwies sich schwieriger als angenommen. Sehr wichtig war uns dabei, Flächen im näheren Umkreis zu unserem Unternehmensstandort Espelkamp zu finden. Und natürlich ist eine weitere Herausforderung bei allem, was wir tun, unser Engagement und die tatsächlichen Inhalte transparent zu kommunizieren. Aber dem stellen wir uns gern! ;-)

Tobi, ich würde gern noch wissen: Wie ist das Zusammenspiel zwischen getroffenen Maßnahmen zur Reduzierung und Kompensationszahlungen?

Der erste Schritt sollte immer sein, zu reduzieren. Manche Unternehmen ändern nichts, zücken aber die Kreditkarte. Doch so gehts nicht. Es geht darum, intern im ganzen Unternehmen und auch extern für Kunden und Partner ein Vorbild zu sein – um einen wirklichen Unterschied zu machen. Klar ist aber auch: Man wird es kaum schaffen, wirklich alles CO2 zu reduzieren. Das ist leider ein unrealistisches Ziel, zumindest heute. Für den Rest sind die Kompensationen da. Hier sollte man darauf achten, nicht irgendwo zu kompensieren. Orientieren kann man sich z. B. am Gold Standard-Gütesiegel, nach dem auch das von uns genutzte Atmosfair lizenziert ist.

Carina, wie stehen wir eigentlich zu Kompensationszahlungen?

Langfristig möchten wir mindestens das kompensieren, was wir verursachen. Aktuell liegt unser Fokus darauf, selbst aktiv zu werden und zu handeln. Wir haben uns zunächst die Leitplanke gesetzt, Kompensation nicht einfach einzukaufen. Wir wollen es selbst in die Hand nehmen, auch wenn das deutlich teurer und aufwendiger ist. Wir möchten uns ernsthaft bemühen und uns nicht für ein gutes Gewissen und ein grünes Etikett freikaufen.

Vielen Dank euch. Habt ihr zum Abschluss noch Tipps?

Tobi: Engagiert euch. Seid aufmerksam im Alltag. Nutzt Ecosia statt Google. Denkt daran, dass jeder Kassenbon ein Stimmzettel ist. Versucht, Flugreisen zu reduzieren. Nutzt Ökostrom und kompensiert den restlichen CO2-Ausstoß: Auch für Privatpersonen gibt es da Rechner. Ich habe z. B. auch mein Privatleben über „LfCA“ klimaneutral durch Reduktion und Kompensation gestaltet.

Carina: Wie Tobi sagt, macht euch eurer Verantwortung bewusst und übernehmt sie – ernsthaft. Dabei muss nicht gleich ein Marathon hingelegt werden. Es geht darum, sich auf den Weg zu machen und ins Handeln zu kommen. Jeder kleine, aber ernst gemeinte Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auch ist es wichtig, neben den Maßnahmen zum Klimaschutz, den ganzheitlichen Ansatz von Nachhaltigkeit nicht aus dem Auge zu verlieren und sich mit sozialen sowie wirtschaftlichen Nachhaltigkeitsthemen auseinanderzusetzen. Begebt euch mit auf unseren gemeinsamen Weg für den Erhalt unseres Planeten.

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