AMP: Accelerated Mobile Pages

AMP: Accelerated Mobile Pages

Mit AMP (Accelerated Mobile Pages) stellt Google ein neues HTML-Format vor, mit dem das mobile Surfen deutlich schneller werden soll. Nach einer mehrmonatigen Testphase ging AMP am 24. Feburar 2016 offiziell an den Start. Was kann das neue Format? Wie kann man es einsetzen? Und vor allem – für wen lohnt sich der Umstieg? Hier erfahrt ihr mehr.

HTML auf Speed

Das Surfen im mobilen Internet macht nicht immer Spaß. Schlechte Internetverbindungen, zu große Datenvolumen oder zu rechenintensive Skripte sorgen dafür, dass viele Websites nur sehr langsam laden und sich somit nur langsam aufbauen. Zu lange Ladezeiten führen laut Google dabei zu erhöhten Absprungraten von bis zu 58 Prozent.

Google hat sich mit zahlreichen Content-Anbietern im Netz zusammengeschlossen (u.a. Twitter, Zeit Online, Buzzfeed, Washington Post, etc.) und das Open Source Projekt AMP ins Leben gerufen. Das Ziel: Seiten sollen mobil „sofort“ verfügbar sein, ohne dass der User wirklich eine Ladezeit bemerkt.

Google verkauft AMP vor allem als Lösung für schnelles, mobiles Surfen mit dadurch deutlich verbesserter User Experience. Die Medienhäuser dürfte vor allem die Möglichkeit interessieren, Paywalls und Abo-Modelle nutzen zu können. Natürlich wird es auch verschiedenste Werbeformate geben. Welche das seien werden, muss sich jedoch noch zeigen. Einige Formate wie Takeovers oder Interstitials sollen nicht erlaubt sein, um das Leseerlebnis des Nutzers nicht zu behindern.

So funktionieren Accelerated Mobile Pages

Um eure Seiten dem neuen Standard anzupassen, müsst ihr zu jeder Seite eine eigene AMP-Variante erstellen, die mit den speziellen Tags ausgezeichnet ist. Da AMP einen absoluten Fokus auf geringe Ladezeiten hat, gibt es zahlreiche Restriktionen, die es zu beachten gilt. So schreibt Google zum Beispiel die Nutzung der eigenen AMP-JS Bibliothek vor. Formulare oder selbst geschriebene JavaScripts sind damit untersagt (derzeit nur mittels Hack durch Nutzung eines iFrames möglich). CSS ist erlaubt, muss allerdings in-line und kleiner als 50 kb sein.

Technisch fußt AMP auf drei Säulen:

AMP HTML:
Im Grunde handelt es sich dabei um „normales“ HTML, das jedoch um einige spezielle AMP-Tags erweitert wurde. Eine Übersicht der wichtigsten Änderungen findet ihr auf der AMP Project Website.

AMP JS:
AMP-JS ist ein JavaScript-Framework das vor allem dafür sorgt, dass alle Ressourcen asynchron geladen werden. Generell ist es bei AMP so, dass zuerst die sichtbaren Inhalte „above the fold“ geladen werden. Erst danach erfolgt das Laden weiterer Inhalte im Hintergrund.

Google AMP Cache:
Google bietet optional das Proxy-basierte Content Delivery Network „AMP Cache“ an. AMP-Seiten werden gecached, somit sehr schnell ausgeliefert und erhalten obendrauf noch eine automatische Performance-Optimierung durch Google.

Welche Auswirkungen hat AMP auf SEO?

Welche genauen Auswirkungen Accelerated Mobile Pages auf die Suchergebnisse haben wird, lässt sich aktuell noch nicht sagen. Derzeit findet AMP nur bei Seiten Anwendung, die im Google Newsfeed gelistet sind. Damit ist AMP aktuell nur für News-Publisher interessant. Man kann aber fest davon ausgehen, dass Google die Anwendung in der nächsten Zeit weiter ausweiten wird. Immerhin wurde ein AMP-Testing-Tool bereits in die Google Search Console (ehemals Google Webmaster Tools) aufgenommen – ein Zeichen dafür, dass Google das neue Format pushen möchten.

Was sagt Google selbst zu den Auswirkungen von AMP auf die Suchergebnisse? John Mueller von Google meinte kürzlich in einem Google Hangout

Wie immer sind solche Aussagen von Google mit Vorsicht zu genießen. Auch wenn es sich derzeit nicht um ein direktes Ranking Signal handelt, dürfte sich die schnellen Ladezeiten und dir starke Mobile-Optimierung positiv auf die Rankings auswirken. Besonders, weil Google der Ladezeit in den letzten Monaten immer mehr Bedeutung gegeben hat.

Für wen eignet sich AMP und wer sollte jetzt aktiv werden?

Wie immer wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Für alle Seitenbetreiber, die einen Großteil des Traffics über Google News beziehen, macht ein Support von AMP auf jeden Fall Sinn. Alle anderen müssen nicht sofort aktiv werden.

Google wird AMP in der Zukunft aber immer stärker unterstützen, sodass es bald für jeden interessant sein dürfte, der als Unternehmen oder Marke bei Google gefunden werden möchte. Besonders die Nutzererfahrung beim Mobile-Shopping könnte durch AMP deutlich verbessert werden. Webmaster sollten das Thema Accelerated Mobile Pages also durchaus weiter auf ihrer Agenda behalten.

 

Kommentare

  1. Oli am

    Ich setze auch gerade ein responsive AMP Seite um (für Desktop und Mobile). Am Anfang kommt es einem vor wie schwimmen mit einer Zwangsjacke. Dank der Restriktionen muss man oft andere Lösungen finden und diese findet man und sind erst noch viel viel besser. Man realisiert was für eine unnötige jQuery Seuche in den letzten Jahren über das Internet gekommen ist. Allerdings ist da Google selber auch mitverantwortlich, denn die jQuery Plugins werden wegen der hohen Verbreitung selber extrem gut gerankt.

    Dass Google AMP Seiten nur im News Feed findet kann ich mir nicht vorstellen. Denn sonst würde die offizielle AMP Seite selber über Google ja auch nicht gefunden werden.

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  2. Alex F. am

    Braucht man/soll man für AMP eine spezielle Hosting-Umgebung nutzen? Wenn ja, welche? Oder kann man die AMP-Seiten ohne Probleme auf einem Standard-Server laufen lassen?

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    1. Viktor Peters am

      @Alex: Soweit wir wissen ist AMP einzig und allein auf die Auslieferung von Inhalten beschränkt, nicht auf das Hosting. Es gibt ein WordPress-Plugin, dass das recht simpel ermöglicht (https://de.wordpress.org/plugins/amp/).

      Lieben Gruß,
      Viktor vom Mittwald-Team

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  3. Harald Markus am

    Gibt es schon eine AMP Anleitung in deutscher Sprache?

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    1. Viktor Peters am

      Danke für deinen Kommentar. Soweit wir wissen nein.

      Viele Grüße,
      Viktor vom Blog-Team

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  4. Moritz am

    Kann man sowas denn auch mit Shopware umsetzen (lassen)?

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    1. Vincent Fuhler am

      Ja, sowas lässt sich auch in Shopware umsetzen. Es gibt das sogar schon ein Plugin für :)
      http://store.shopware.com/detail/index/sArticle/163335/number/HEPTA91012583836?_ga=1.169794913.1538405926.1483432098

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